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Google (US) tauscht „Local Carousel“ gegen „Local Knowledge Box“ aus

Google testet aktuell in den US ein neues Suchergebnis-Format in den lokalen SERPs. Es handelt sich dabei um einen Ersatz für das "Local Carousel", dass auf Google.com bei etlichen lokalen Suchanfragen vor einer Weile noch über den Suchresultaten in Form einer horizontalen Bilder-Liste zu finden war, nun aber hauptsächlich im Rahmen von Hotel- und Restaurant-Suchen gegen ein neues Suchergebnisformat ausgetauscht wurde, sprich: In zwei wichtigen Marktsegmenten, in denen Google bereits mit eigenen Monetarisierungsmodellen aktiv ist. Wen wundert's?

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Carousel

Aktuell ist einiges los auf dem lokalen Suchmarkt in den US. Seit einer Weile sind die lokalen Suchergebnisse auf Google.com mit dem Auftauchen des Google Pigeon-Update stark in Bewegung. Zusätzlich führt Google in aller Regelmäßigkeit kleinere Tests mit neuen Suchergebnis-Formaten durch.

Ganz im Sinne des „mobile first“ Paradigmas hat Google in der US-Version speziell für Hotel- & Restaurant-Suchen ein neues Suchergebnis-Format an den Start gebracht, dass von mir nun erst mal die Bezeichnung „3-Pack Local Knowledge Box“ bekommt. Irgendwann muss man sich ja einfach mal terminologisch festlegen

Neue Local Knowledge Box | Restaurant-Suche | Google.com

local knowledge Box - restaurants nyc

Im Rahmen einer gesondert gerahmten Box werden in der „3-Pack Local Knowledge Box“ drei Restaurants angezeigt. Als zusätzliche Filter- und Auswahlkriterien werden dem Nutzer die Menüpunkte „Rating“, „Cuisine“, „Pricing“ und „Öffnungszeiten“ angeboten.

Klickt man als Nutzer auf eines der Resultate, so öffnet sich noch über den Google-Suchergebnissen eine immens große Box, die man als „Single Local Knowlege-Box mit allem Schnick-und-Schnack“ bezeichnen könnte.

Single Local Knowlege-Box - restaurant nyc

Meines Erachtens stellt diese neue Ansicht einerseits ein Usability-Zugeständnis an die verstärkte mobile Web-Nutzung dar – andererseits bietet Google über die Zusammenarbeit mit Opentable die Option an, über einen Link das Restaurant zu reservieren.

Selbstverständlich geht hier, wie auch bei der Google-Hotelsuche Geld über den Tisch. Es verwundert daher nur wenig, dass Google nun im Bereich der Restaurant- und Hotel-Suche kosmetische Änderungen an den Suchresultaten vornimmt, die die Monetarisierungsbestrebungen vermutlich direkt unterstützen.

Klassischer 7-Pack | Restaurant-Suche | Google.de

Zum Vergleich mit der neuen Ansicht auf Google.com findet man hier noch die Ansicht der Suchergebnisse, wie sie aktuell auf Google.de bei der gleichen Suchanfrage in Form des klassischen 7-Pack zu finden sind. Man beachte den rechts aufgeklappten Bereich, in dem eine klassische „Single Local Knowledge-Box“ zu finden ist.

7-Pack - restaurants ncy

Neue Local Knowledge Box | Hotel-Suche | Google.com

Auch bei der Google-Hotelsuche zeigt sich die neue Ansicht der „3-Pack Local Knowlege Box“.

Im Fokus der Nutzeraktivitäten steht hier zunächst die Wahl eines Zeitraums für die Hotelbuchung. Weitere Filtermöglichkeiten bieten sich für den Nutzer über die Menüpunkte „Price“, „Rating“ und „Hotel Class“ an.

local knowledge Box - hotel san francisco

Auch hier wird nach einem Klick auf eines der angezeigten Hotels eine „Single Local Knowlege Box“ über den SERPs eingeblendet. Der Nutzer kann auch hier direkt eine Buchung durchführen.

Single Local Knowlege-Box - hotel san francisco

Klassischer 7-Pack | Hotel-Suche | Google.de

Zum direkten Vergleich hier auch noch mal die Ansicht der gleichen Suchanfrage im Rahmen einer Hotel-Suche auf Google.de. Es ist unschwer zu erkennen, dass hier hierzulande noch eine gewisse „redaktionelle Trennung“ zwischen den kommerziellen Suchresultaten der Google-Hotelsuche und den organischen Resultaten im 7-Pack stattfindet, die auch für den Nutzer nachvollziehbar ist.

7-Pack - hotels san francisco

Google Local Carousel | „Things to do in …“ | Google.com

Im Bereich der Hotel- und Restaurantsuche wurde bislang auf Google.com das Local Carousel eingeblendet. Wie man an den beiden obigen Beispielen sieht, ist das aktuell nicht mehr der Fall. Bei nicht-kommerziellen Suchanfragen, bei denen Google nicht direkt über Kooprationen oder ein Buchungssystem (sondern nur indirekt über AdWords) mitverdient, wurde das Local Carousel auf Google.com noch nicht abgeschafft.

local carousel things to in berlin

Ich möchte mich daher mittlerweile Andreas Voigt anschließen, der in seinem Beitrag „Local Carousel jetzt auch in Deutschland“ das Auftauchen des „Local Carousels“ auf Google.de beobachtet und kommentiert hat:

„Auch wenn mancherorts darüber spekuliert wird, ob das Local Carousel eingestampft wird, bin ich davon deshalb nicht überzeugt, da es in Deutschland in seiner indirekten Form gerade erst eingeführt wurde. Natürlich steckt von uns keiner in den Köpfen der Entscheider, doch für mich macht es wenig Sinn, in Deutschland die Karussell Ausspielung an den Start zu bringen, während sie vermeintlich in den Vereinigten Staaten auf dem Wege der Abschaffung ist. Sei es wie es sei, was Google vor hat oder nicht, zeigt uns bald das Licht.“

Google Local Carousel | „Sehenswürdigkeiten in …“ | Google.de

Als Beispiel führe ich hier der Vollständigkeit halber noch das Äquivalent zur Suchanfrage „Things to in …“ in Form eines SERP-Screenshots zur Suchanfrage „Sehenswürdigkeiten in …“ auf Google.de auf. Wer mehr Beispiele sehen möchte, den verweise ich gerne auf den oben erwähnten Beitrag von Andreas Voigt, der dazu ein kleines Video erstellt hat.

local carousel sehenswürdigkeiten berlin

Fazit

Es ist im Grunde nur eine Sache der Logik: Google bringt neue Kooperationen an den Start. Google testet im Live-Betrieb die Marktreife. Anschließend werden die SERPs einerseits dahingehend überarbeitet, damit der Umsatz über die einzelne Monetarisierungsansätze maximiert wird – andererseits geht diese Rechnung selbstverständlich nicht ohne den Nutzer auf, weshalb selbstverständlich auch die Funktionalität und die Usability dagegengehalten werden. Was wir am Ende vor uns sehen stellt letztlich einen Mittelweg zwischen den beiden Extrema „Maximale Nutzerzufriedenheit“ und „Lasst die Kasse klingeln!“ dar.

So oder so, es wird in jedem Fall spannend zu beobachten sein, wie sich Google hinsichtlich dieser Entwicklung innerhalb der EU verhält, denn angesichts der „drohenden Zerschlagung von Google“ und den Bestrebungen der nimmermüden Lobby-Vereinigung ICOMP im Umfeld der EU-Kommission, gerät das einstige Lieblingskind der Netzwelt aus Mountainview zusehends in das Kreuzfeuer divergierender Interessen. Wenn dann noch verlogene Dokumentationen wie zuletzt die irreführende Panikmache der ARD sich der allgemeinen Hysterie hinzugesellen, so ist der allgemeinen Verwirrung genüge getan. Dann hilft es der Objektivität auch nicht mehr weiter, wenn man mit Recht betont, dass Google im vergangenen Jahr unter den Internetunternehmen weltweit mit Abstand die größten Summen für Lobby-Aktivitäten eingesetzt hat.


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