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Google Pigeon Update: Was ist los auf den lokalen US-Suchergebnissen?

Google Updates kommen meist überraschend und gehen erst mal eine Weile nicht wieder. In der Regel werden diese zusehends verfeinert und erneut ausgerollt, bis diese ein integraler Bestandteil des Ranking-Algorithmus werden. In den US ist im Bereich der lokalen Web-Suche seit einer Weile vom sogenannten "Pigeon" Update die Rede. Betroffen sind Websites lokaler Unternehmen, deren Google+ Local Einträge sowie Bewertungs- und Branchenportale. Heute ist auf Searchenginewatch die erste aussagekräfte Untersuchung zum "Pigeon" Update veröffentlicht worden. Es ist davon auszugehen, dass wir uns auch hierzulande auf die Phänomene dieses allerneusten "local" Algorithmus-Updates freuen dürfen. Grund genug sich die in der Studie getätigten Beobachtungen zusammen mit einer umfassenden Einführung in die Entwicklung der Ereignisse rund um das Pigeon Update zu Gemüte zu führen.

Geschrieben am von

Pigeon

Das aktuellste, von Google nicht näher benannte, Algorithmus-Update mit spezifischem Bezug auf die lokale Suche wurde am 24. Juli ausgerollt. Seitdem sind lediglich Suchanfragen auf Google.com in englischer Sprache betroffen und seitdem beobachten Fachleute die Bewegungen auf den lokalen Google Suchergebnissen mit teils großer Verwunderung, wenn nicht gar massiver Skepsis.

Im heutigen Artikel möchte ich daher zunächst auf Grundlage einiger versierter Quellen die Erkenntnisse zum Pigeon-Update von Google zusammenfassen und abschließend eine aktuelle Untersuchung des Pigeon Updates besprechen, aus der hervorgeht, wie sehr die Rankings in Bewegung sind und welche Branchen gewonnen/ verloren haben.

Pigeon Update – Status Quo der lokalen Google Suche in den US

Ranking-Mechanik mit mehr Schwerpunkt auf klassischen Webranking-Signalen
Wie üblich hat sich Searchengineland als erstes mit dem neuen Google Update befasst und dem Algorithmus auch gleich noch die Bezeichnung „Pigeon“ verpasst. Basierend auf Aussagen interner Google-Quellen werden die Änderungen am Ranking-Algorithmus wie folgt zusammenfasst:

„Google told us that the new local search algorithm ties deeper into their web search capabilities, including the hundreds of ranking signals they use in web search along with search features such as Knowledge Graph, spelling correction, synonyms and more. In addition, Google said that this new algorithm improves their distance and location ranking parameters. The new algorithm is currently rolling out for US English results and aims to provide a more useful and relevant experience for searchers seeking local results.“ Quelle: Searchengineland

Reduktion der lokalen 7-Packs
Anschließend machten Berichte zum Pigeon Update die Runde, aus denen hervorging, dass die Sichtbarkeit und Präsenz des klassischen „7-Packs“ deutlich gesunken ist. Egal ob man den Daten von Moz oder Whitespark Glauben schenken soll, erscheint es als gesichert, dass in den US knapp 24% der lokalen 7-Packs aus den Google Suchergebnissen rausgeflogen sind.

Problematische Google Places Suchergebnisse
Angesichts des Umstands, dass fortan stärker klassische Ranking-Signale von Google im Rahmen der lokalen Suche berücksichtigt werden sollen, wurden zwangsläufig etliche Resultate beobachtet, die mit Recht als fragwürdig bezeichnet werden müssen.

So gelangen bisweilen reine SPAM-Websites, die lokale Firmendaten im großen Stil scrapen auf den vordersten Positionen im 7-Pack, wie auch verhältnismäßig riskant übersteuerte Domain-Netzwerke wieder Erfolge mit „Fake Locations“ in den Google Places Suchergebnissen feiern.

organic seo SPAM im Google Places Suchergebnis Bildquelle: Ethicalseoconsulting.com

Profiteure: Lokale Branchenverzeichnisse & Bewertungsportale
Teilweise tauchen auch herkömmliche Websites und lokale Aggregatoren in den verbliebenen 7-Packs als lokale Treffer auf, teils werden herkömmliche Websites auch im Local Carousel angezeigt, das ebenfalls für die allermeisten Suchanfragen nur in den US auf Google.com zu finden ist.

expedia im google local carousel aufgrund des pigeon updates Bildquelle: Searchengineland.com

Besonders stark „betroffen“ sind dabei vor allem Branchenverzeichnisse und Bewertungsportale, die seit dem Pigeon Update hin- und wieder IN den 7-Packs zu finden sind, oder aber – nachdem Ende Juli ein Algorithmus-Fix ausgerollt wurde – seitdem quer über zahlreiche Branchen hinweg sogar noch ÜBER den 7-Packs von einer deutlich gesteigerten Sichtbarkeit profitieren.

lokale aggregatoren mit seo-boost in den lokalen us serps Bildquelle: Searchengineland

Hyperlokale Suchergebnisse mit engerem Einzugsgebiet
Ein weiteres Phänomen, dass seit dem Pigeon Update zu erheblichen Verschiebungen in den Rankings führt, ist der Umstand, dass Google im Rahmen der lokalen Suche – speziell bei der mobilen Suche (!) – mittlerweile ein deutlich engeres Einzugsgebiet berücksichtigt.

engeres einzugsgebiet auf google maps im rahmen des google pigeon update Bildquelle: Blumenthals.com

Es hat demnach den Anschein, als würde Google den Radius um den Nutzerstandort deutlich kompakter eingrenzen, was in einigen Branchen durchaus Sinn macht, besonders wenn man mobil unterwegs ist und ein spezielles Bedürfnis nach einem bestimmten Produkt oder einem Diensleistungsangebot hat.

Es werden täglich massive Ranking-Verschiebungen beboachtet
Ein Phänomen, das hauptsächlich dazu führt, dass die ersten Analysen zum Pigeon Update nur wenig aussagekräftig waren, ist folgendes: Die Rankings im 7-Pack sind seit dem Pigeon Update massiv in Bewegung. Es vergeht kaum ein Tag, an dem die Reihenfolge der angezeigten Unternehmen im Local Carousel oder 7-Pack nicht eine verwirrend neue ist.

Hinzu kommt die oben bereits erwähnte starke Berücksichtigung des Nutzerstandords. Dies führt zu einer extremen Volatilität der Rankings und verhindert damit letztlich die Möglichkeit die Ranking-Mechanik sinnstiftend zu analysieren und Erkenntnisse für die lokale Suchmaschinenoptimierung zusammenzutragen.

Welche Branchen sind in welchem Umfang vom Pigeon Update betroffen?

Um sich dieser spannenden Frage zu nähern hat das Unternehmen BrightEdge sowohl vor dem Pigeon Update im Juni, als auch danach im August, umfangreiche Ranking-Daten erhoben. Diese ermöglichen es – zumindest für das Zeitfenster der vergangenen 4 Wochen – herauszufinden, welche Branchen von den Algorithmus-Änderungen besonders (positiv wie negativ) betroffen sind.

Zugewinne bei der Sichtbarkeit im Rahmen des Pigeon Update

  • Hotel- & Gastgewerbe: 28% Steigerung in den Google Places Resultaten
  • Essen & Trinken: 19% Steigerung in den Google Places Resultaten
  • Bildung & Erziehung: 13% Steigerung in den Google Places Resultaten

Kleinere Zugewinne konnten auch bei folgenden Branchen ausgemacht werden:

  • Spa & Wellness: +4,64%
  • Einkaufen & Bestellen: +4,32%
  • Recht: +3,55%
  • Gesundheit: +1,83%
  • Transport & Verkehr: +1,31%
  • Sport & Fitness: +1,12%

Verluste bei der Sichtbarkeit im Rahmen des Pigeon Update

  • Jobs: 68% Sichtbarkeitsverlust in den Google Places Resultaten
  • Immobilien: 63% Sichtbarkeitsverlust in den Google Places Resultaten
  • Kino: 36% Sichtbarkeitsverlust in den Google Places Resultaten
  • Versicherung: 11% Sichtbarkeitsverlust in den Google Places Resultaten

Kleinere Verluste konnten auch bei folgenden Branchen ausgemacht werden:

  • Finanzen: -6,21%
  • Möbel: -3,34%
  • Behörden: -0,07%

Die Rohdaten klaffen ein wenig von oben wiedergegebenen Daten auseinander, da es nicht in allen Fällen möglich gewesen ist, eine bestimmte Suchanfrage einwandfrei einer bestimmten Branche zuzuordnen. Zumindest jedoch kann man die Werte anhand einer auf Searchenginewatch wiedergegebenen Tabelle nachvollziehen auf der die Rohdaten bereits zu einzelnen Branchen zusammengefasst wurden:

Pigeon Auswertung BrightLocal

Wie kann man sich optimal auf das Pigeon Update vorbereiten?

Angesichts der hier zum Pigeon Update zusammengetragenen Beobachtungen kommt Andrew Shotland hinsichtlich zu ergreifender Local SEO-Maßnahmen zu folgendem Schluss:

„There is really no way to “optimize” for this algo because the results are random and make no sense and again it’s changing almost daily.“ Quelle: Localseoguide.com

Er liegt damit auf gleicher Höhe wie Greg Grifford, der sich in seiner letzten Kolumne auf Searchengineland zu folgendem Titelbild hat hinreißen lassen:

pigeon update keep on trucking Bildquelle: Searchengineland.com

Lesenswerte Beiträge zum Google Pigeon Update

Folgende Artikel befassen sich detailliert und kenntnisreich mit dem Pigeon Update und dessen Iterationen der letzten Wochen. Verfasst von Autoren wie bspw. Mike Blumenthal, Andrew Shotland oder Barry Schwartz, gehen diese selbst den kleinsten Spuren auf ihrer Suche nach erkennbaren Mustern auf den lokalen Suchergebnissen nach.

Dabei wird unverkennbar, wie sehr es wohl noch einiger Nachbesserungen hinsichtlich der Sortierung der Suchergebnisse bedarf. Zu augenfällig ist die Anfälligkeit des Pigeon Updates für spammige SEO-Methoden, von denen man dachte, dass diese längst der Vergangenheit der lokalen Google Suchergebnisse angehören.

Fazit

Das Pigeon Update, dass derzeit auf die US-SERPs beschränkt ist, hat zu massiven Verschiebungen der Sichtbarkeit in etlichen Branchen geführt. Da die Rankings jedoch erheblich in Bewegung sind, ist es aktuell kaum nachvollziehbar, wie die Ranking-Mechanik angesichts des Algorithmus-Updates, beschaffen ist.

Der Umstand, dass sowohl SPAM-Verzeichnisse, als auch solche seriöse lokale Aggreagatoren mit starken Backlinks und einem gewissen Markenbekanntheitsgrad zusehends im 7-Pack und auch darüber zu finden sind, weist zumindest auf die Tatsache hin, dass mit Pigeon im Rahmen der lokalen Suche, klassische Webranking-Signale stärker berücksichtigt werden.

Angesichts der beobachtbaren Ranking-Situation ist nun zwar noch zu früh, um solide Erkenntnisse aus den gesammelten Beobachtungen abzuleiten, inwiefern künftige Optimierungsszenarien auszusehen haben. Es liegt jedoch nahe, dass sowohl die klassische OnSite- und OffSite-Optimierung mit Bezug auf die klassische Firmen-Website künftig wieder stärker bei Local SEO berücksichtigt werden müsste.

Vor dem Hintergrund einer Hyperlokalisierung der Suchergebnisse, die abhängig vom Nutzerstandort ein engeres lokales Einzugsgebiet berücksichtigen, muss der Standort des Nutzers und dessen Intention bzw. die „Dringlichkeit“ und „spezifische Lokalität“ der angebotenen Produkte bzw. Dienstleistungen, künftig stärker bei der Auswertung der Sichtbarkeit als Ranking-Faktor miteinbezogen werden.


12 Antworten zu “Google Pigeon Update: Was ist los auf den lokalen US-Suchergebnissen?”

  1. Malte sagt:

    Möglicherweise sind die Ranking Signale, die bisher vorliegen zu leicht zu manipulieren und halten dem Qualitätsstandard (von Google) nicht stand. Durch einen überprüften Algo, der deutlich stärker erprobt ist sind die Maßnahmen nicht mehr so abhängig von den reinen lokalen Signalen. Ich könnte mir auch durchaus vorstellen, dass verschiedene Signale aktuell viel strikter eingestellt werden, bis Spam Signale und Methoden im lokalen Bereich zufriedenstellend erkannt (und bekämpft) werden.

    • Hallo Malte,

      Die Ranking-Signale, die bislang genutzt werden, sind m.E. gar nicht so heftig manipulierbar. Ich glaube, dass es Google mit Pigeon vielmehr um eine Steigerung der Relevanz der Resultate geht, die mithilfe der Webranking-Signale ermittelt werden soll. Ich bin ansonsten vollkommen einig mit Dir, dass die Signale nun hinsichtlich SPAM-Anfälligkeit und Qualität kontinuierlich getestet und verbessert werden.

      Gruß,
      Sebastian

  2. Dass es kurz nach Einführung eines Updates ein paar Tage lang heftige Bounces gibt, ist ja völlig normal. So wird es wohl auch beim Pigeon sein: Erst mal wird Google das Ganze ein wenig feintunen müssen, bis auch Trash-Content-Seiten wie Cylex rausfliegen und Aggregatoren zumindest hinter Portalen mit originärem Content ranken werden. Dass ausgerechnet Immo- und Job-Portale abgestraft werden, ist aber ziemlich fies von Google. Immerhin kommen bei solchen Portalen > 50% der Besucher über die organische Suche, und die meisten Portale haben mehr als nur Backfills von Drittanbietern im Repertoire.

    • Hallo Jacek,

      Nur 50%? Ich glaube eher deutlich mehr…

      Das Problem ist doch, dass z.T. die Immo- und Job-Portale teils recht aggressiv auf lokal konnotierte Suchbegriffe optimiert sind und Traffic generieren, der für sie eigentlich wertlos ist.

      Wer nach „Maler Frankfurt“ sucht, benötigt i.d.R. eher einen Maler für die heimische Wohnung, als dass der Nutzer einen Malerjob in Frankfurt sucht.

      Das ist nur ein Beispiel unter vielen, die ich beobachtet habe, weshalb ich denke, dass diese beiden Seiten-Typen wirklich aufpassen müssen, wofür sie ranken wollen…

      Gruß,
      Sebastian

      • Jürgen B sagt:

        also wenn ich nach Maler Frankfurt erwarte ich ja schon fast, dass google die Nachfrage stellt: „Meinten Sie Makler Frankfurt“, da google ja weiß dass ich sonst nie nach Malern aber regelmäßig nach Maklerwebseiten suche. Was mich kollosal ärgert ist, dass man immer die Suchergebnisse bekommt die man sehen will und kaum einen repräsentativen Querschnitt, was andere sehen.

  3. Den Nagel voll auf den Kopf getroffen mit diesem Artikel
    Ich lebe in San Antonio Texas und hier sind die Ergebnisse immer noch wacklig. Wird wohl noch einig Wochen sein biss sich die wellen wieder glätten.
    Cheers from Texas
    PS bin aus Porz

    • Hallo Ralph,

      Erst mal Danke für Dein Feedback!
      Jetzt sind zwei Wochen vergangen.

      Wie sehen die Suchergebnisse den mittlerweile aus? Noch immer tägliche Fluktuationen?

      Wenn Du Lust verspürst, mal einen umfassenden Artikel zu den aktuellen Beobachtungen und Entwicklungen im Bereich Desktop VS. Mobile in Deiner Umgebung zu schreiben, dann melde Dich einfach bei mir!

      Mich würde ein tägliche Dokumentation (Zeitraum 1 Woche) von ein paar Suchanfragen sehr interessieren, bei der Du Dich immer wieder in anderen Bereichen von San Antonio und dem direkt, angrenzenden Umland befindest… echte Feldforschung 😉

      Gruß,
      Sebastian

  4. […] Das sogenannte Google Pigeon Update wirbelt seit einiger Zeit in den USA die lokalen Suchergebnisse kräftig auf, was zur gewaltigen Verschiebung von Sichtbarkeiten geführt hat. Die erste aussagekräftige Untersuchung zu diesem Update ist in dieser Woche erschienen. Winlocal nahm dazu Stellung und hat sich die Materie auf den lokalen Suchmarkt näher angeschaut. Es ist davon auszugehen, das auch in absehbarer Zeit hierzulande diese Auswirken und Phänomene im lokalen-Sektor auftreten werden – um so besser wenn man diese Beobachtungen im Blick behält: “Google Pigeon Update: Was ist los auf den lokalen US-Suchergebnissen?“. […]

  5. […] Was ist los auf den lokalen US-Suchergebnissen? – Google Updates kommen meist überraschend. In der Regel werden diese zusehends verfeinert und erneut ausgerollt, bis diese ein integraler Bestandteil des Ranking-Algorithmus werden. Weiter… […]

  6. […] Sebastian Socha hat sich bereits einige Gedanken zu dem Update gemacht, die er im Winlocal Blog hier veröffentlicht […]

  7. Hallo Sebastian,
    ich war so frei und habe mir erlaubt, diesen Artikel in unserem letzten Blog-Beitrag als “Beleg” zu verwenden: https://www.brandreach.at/das-seo-karussell-dreht-sich/
    Schöne Grüße aus Wien,
    Michael Farthofer

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