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Hotelpreisvergleiche weiter unter Druck: Google mit Übernachtungskosten im Local Carousel

Derzeit ist Google mal wieder in aller Munde. Aus zwei Gründen: Ein mal, weil der weltweite Marktführer auf dem Suchmaschinenmarkt aktuell zahlreiche Unternehmen aufkauft, die sich dem "Internet der Dinge" verschrieben haben und andererseits, weil sich Google scheinbar zusehends von einer Suchmaschine zu einer "Antwortmaschine" verwandelt. Dieser Trend hält bereits seit einer Weile an, wie man es an den SERPs für Keywords wie "Wetter", "Kinoprogramm" oder "Rezepte" ablesen kann. Voraussetzung für einen derartigen Paradigmenwechsel ist einerseits ein deutlich aggressiveres Marktverhalten seitens Google, andererseits müssen für eine gut funktionierende "Entity"-Search, bei der der Such-Kontext eine wichtige Rolle spielt, ein paar grundlegende Voraussetzungen erfüllt werden. Hierzu gehört unter anderem die Auszeichnung von Entitäten mit "Rich Markup" nach Schema.org, wie auch die Bereitschaft der Webmaster für immer weniger Google-Traffic immer mehr Daten kostenlos und maximal durchstrukturiert zur Verfügung zu stellen.

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Carousel

Heute schauen wir uns an, wie sich die aktuellen Tendenzen auf den Google Suchergebnissen auf den Markt der Hotelpreisvergleiche und den Tourismus-Sektor im allgemeinen auswirken, denn seit neuestem werden sogar Übernachtungskosten im Local Carousel auf den organischen Google Suchergebnissen angezeigt.

Wie nämlich Searchengineland berichtet sind gestern auf Google.com neue Ansichten des Google Local Carousel aufgetaucht, das Teil des Lokalen Google Knowledgegraph ist, bzw. von diesem gespeist wird.

Google Local Carousel für „Hotels in Berlin Germany“

Um die Beispiele hier im Blog zu illustrieren habe ich mir mal die SERPs für „Hotels in Berlin Germany“ mit einem US-Proxy auf Google.com angeschaut, denn auf Google.de werden aktuell weder das Local Carousel noch die Datums-/Buchungsmaske angezeigt…

Google Local Carousel

Datums-Maske im Local Carousel

Das spannende an der neuen Ansicht ist die Darstellung einer Maske innerhalb des Google Local Carousel, mittels derer man einen Zeitraum auswählen kann. Anschließend werden die Übernachtungskosten für das gewählte Hotel für diese Zeitraum eingeblendet.

Datumsmaske Local Carousel

Ein Narr wer dabei nicht gleich an herkömmliche Taktiken der Wettbewerbsverdrängung denkt, die auf die klassischen Hotelpreisvergleiche abzielen, welche ja ohnehin bereits dank dem Google Hotelfinder unter Druck geraten sind. Das vertical „Tourismus“ ist nun mal ein Milliarden schwerer Markt, weshalb es kaum noch verwundert, dass sich Googles Präsenz auch in dieses Segment weiter verbreitet.

Buchungsmaske in der Sidebar im Local Knowledgegraph

Dies wird noch deutlicher, wenn man schließlich auf eines der gewählten Hotels im Local Carousel klickt und sich danach in der Sidebar im Lokalen Google Knowledegraph anschaut, wie dort die Buchungsmaske präsentiert wird:

Google Local Carousel mit Knowledgegraph Sidebar

Im Detail präsentiert die Buchungsmaske eine Auswahl unterschiedlicher Buchungsportale, wie man es von dem Google Hotelfinder her kennt. Allem Anschein nach werden dabei die Anbieter nach dem Preis pro Übernachtung sortiert, wobei skurillerweise in dieser Ansicht das teuerste Angebot zuoberst zu finden ist.

Sidebar Local Knowledgegraph mit Buchungsmaske

Ganz unten findet man schließlich den Link zur Website des Hotels, wo man seine Übernachtung – ganz klassisch – ebenfalls buchen kann.

Fazit

Google setzt die Tourismusindustrie mit diesem Vorstoß noch weiter unter Druck und schnappt sich noch ein kleines Stück vom Kuchen. Das prominent sichtbare Google Local Carousel wird so von einem „Discovery“-Tool, mittels dessen man die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, Restaurants und Hotels einer Stadt virtuell entdecken kann, zu einem verlängerten Arm des Google Hotelfinder. Das Unternehmen aus Moutainview demonstriert selbstbewusst, dass der Nutzer nicht nur seine Antwort direkt auf den Suchergebnissen erhält ohne andere Websites aufsuchen zu müssen (Stichwort: „Antwortmaschine“), sondern auch noch direkt auf den SERPs die Übernachtungen buchen könnte.

Die magische Formel lautet scheinbar:

Mehr Bequemlichkeit für den Nutzer = mehr Geld für Google…


5 Antworten zu “Hotelpreisvergleiche weiter unter Druck: Google mit Übernachtungskosten im Local Carousel”

  1. Karo sagt:

    Es ist doch erschreckend, wie Google versucht, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Meiner Meinung nach sollten viele Firmen ihre Seiten zwar für Google optimieren, sich aber nicht allzu sehr abhängig machen. Es gibt auch noch eine Offline-Welt und Social Media kann ebenso erfolgreich sein…

    • Hallo Karo,

      es ist in jedem Fall wichtig, die Online-Strategie zu diversifizieren. Egal ob es sich um ein großes oder um ein kleines Unternehmen handelt. Google nimmt zwar eine Schlüsselrolle im Web ein, aber in der Summe sind etliche andere Systeme (alternative Suchmaschinen, Social Media, eigene geschlossene Systeme) durchaus relevant und können ebenso erfolgreich als Marketing-/Kommunikations-/Absatz-Kanäle genutzt werden. Vor allem ist man auf der sicheren Seite, falls Google einem den Saft abdreht…

      Gruß,
      Sebastian

  2. Max sagt:

    @Sebastian: Aber es suchen nun mal alle Leute hierzulande mit Google. Da gibt es eigentlich keine alternative Suchmaschine. :-)
    Es ist schwer alleine mit Social Media oder lokaler Werbung einen ähnlichen Erfolg zu erzielen wie mit einer guten Position in den SERPs.
    Gruß, Max

    • Hallo Max,

      dem kann ich nur zustimmen, dennoch muss es das erklärte Ziel im Marketing eines jeden Unternehmens sein, sich so gut wie möglich von Google zu emanzipieren und sich nicht abhängig zu machen.

      Gruß,
      Sebastian

  3. Ich gebe Sebastian vollumfänglich recht, das sage ich meinen Kunden auch immer: versucht eure Vertriebswege zu diversifizieren und die Abhängigkeit von einem Kanal so gering wie möglich zu halten.

    Sei es von einem OTA oder im Direktvertrieb bei Google. An beiden Vertriebswegen kommt man nicht vorbei und man sollte diese bestmöglich für sich nutzen.

    Gleichzeitig eben aber auch Alternativen aufbauen und testen – und sich nicht einfach der Trafficmaschine hingeben.

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