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Google VS. EU-Kommission: Sehen so bald die lokalen SERPs aus?

Im Rahmen der laufenden Untersuchungen der EU-Kommission, die von den Wettbewerbern Googles unter der Führung der Lobby-Vereinigung ICOMP ins Leben gerufen wurden, hat das Unternehmen aus Mountainview zuletzt eine überarbeitete Version der lokalen Suchergebnisse präsentiert. Dabei soll die prominente Anzeige ausgewählter lokaler Branchenportale gewährleisten, dass Google seine eigenen Services nicht gegenüber dem Wettbewerb bevorzugt. Der Beitrag handelt davon wie die lokalen SERPs möglicherweise schon bald aussehen könnten und welche Auswirkungen dies auf den lokalen Suchmarkt im Internet haben könnte.

Geschrieben am von

EU Kommission VS Google

Google stellt überarbeitete Version der lokalen Suchergebnisse vor

Wie hier im Blog im Beitrag „EU-Kommission VS. Google – Neue SERPs braucht das Land!“ bereits angekündigt, hat Google nun Konsequenzen aus den damals präsentierten Zugeständnissen gezogen und ein erste vorläufige Testversion der überarbeiteten lokalen Suchergebnisse in Umlauf gebracht.

Local SEO-Experte Nick Rink hat diese SERP-Tests als erster auf Google.co.uk gesichtet und stellt deren Aussehen sowohl auf Google+, als auch noch ein Mal etwas umfangreicher in einem gesonderten Artikel auf seinem Blog vor.

Wie es den Anschein hat, werden künftig oberhalb des lokalen 7-Packs einige Alternativen zu den Google Suchergebnissen für den Nutzer zur Verfügung stehen. Welche Portale dies sein werden und welche Voraussetzungen diese Portale erfüllen müssen kann man meinem oben verlinkten Beitrag entnehmen, in dem Auszüge aus einer Pressemitteilung der EU-Kommission zu finden sind, die Teile der Selbstverpflichtungserklärung von Google wiedergeben.

Weiterführende Details entnimmt man außerdem dem Dokument COMMITMENTS IN Case COMP/C-3/39.740 in dem u.a. heißt, dass lokale Suchportale eine Aufnahme in den Kreis der angezeigten alternativen Links beantragen können…

Wie sehen die Zugeständnisse von Google aus?

Die Zugeständnisse von Google belaufen sich tatsächlich auf eine „Minimal“-Lösung, bei der nur drei dezente Links rechts oberhalb des 7-Packs eingeblendet werden.

Neue lokale Google SERPs

Nutzer die auf diese Links klicken landen direkt in dem jeweiligen Portal auf einer Suchergebnisseiten, die zu der Nutzeranfrage passt:

Yelp Suchergebnisse

Es ist offensichtlich dass Google hier aus Usability-Gründen die vom Nutzer eingegebene Suchanfrage direkt an das jeweilige Portal übergibt, weswegen davon ausgegangen werden muss, dass zwischen Google und den beteiligen lokalen Suchportalen in jedem Fall ein Kontakt bestand, über den dieser Sachverhalt geregelt wurde.

Was bedeutet dieser Schritt für den lokalen Suchmarkt?

Einerseits ist es gut, dass Google der EU-Kommission angesichts der im Raum stehenden Vorwürfe gewissen Zugeständnisse macht. Es muss jedoch klar sein, dass das Entgegenkommen von Google nur die minimalen Anforderungen erfüllt, die die EU-Kommission an Google gestellt hat.

Werden künftig tatsächlich über dem lokalen Google SERPs noch ein bis max. drei lokale Suchportale angezeigt, so wird es in jedem Fall interessant zu beobachten sein, wie die Nutzer mit diesen Alternativen umgehen. Ich gehe davon, dass die bekannteren Marken unter den lokalen Online-Verzeichnissen unter Umständen in der Lage sein werden, von dieser Entwicklung ein wenig zu profitieren, weil die CTR zu einen bekannten lokalen Suchportal sicher deutlich höher sein wird, als zu einem unbekannten lokalen Verzeichnis.

Darüber hinaus sind in den „Aufnahmekriterien“ für die Anzeige oberhalb der lokalen Google-Resultate auch Hinweise darauf enthalten, dass die Portale eine gewisse Mindestmenge an Traffic und Bekanntheitsgrad aufweisen müssen, um überhaupt an dieser Stelle über dem 7-Pack angezeigt zu werden. Woran Google diesen „Bekanntheitsgrad“ letztendlich festmachten wird steht in den Sternen, einzig der Alex-Rank wird bisher in dem oben erwähnten Dokument genannt.

Wie sehen die „Aufnahmekriterien“ im Detail aus?

Auszüge aus den Forderungen, die Google an die interessierten lokalen Portale stellt, die im Rahmen der lokalen Suchergebnisse angezeigt werden wollen, habe ich bereits für meinen Beitrag im vergangenen April 2013 ins Deutsche übertragen. Für Interessierte gebe ich diese hier einfach noch mal wieder:

So heißt es verkürzt:

  • Es wird ein Tool geben, über dass vertikale Aggregatoren die Aufnahme in einen passenden “Pool an vertikalen Websites” beantragen können
  • Die in dem Pool aufgenommenen Unternehmen müssen Google Daten zum Unternehmen und zur Domain mitteilen, wie bspw. die URL-Struktur, oder eine Liste aller aktiven Domains
  • Google wird den Pool an vertikalen Websites alle drei Monate aktualisieren
  • Google wird diejenigen Unternehmen darüber benachrichtigen, wenn deren Aufnahmeantrag abgelehnt wurde
  • Abglehnte Websites, können die Aufnahme erneut nach einem Monat beantragen
  • Nur Google entscheidet über die Qualitätskriterien, die zur Aufnahme in den Pool vertikaler Verzeichnisse notwendig sind


Wie sehen die allgemeinen Kriterien zur Aufnahme in den erlauchten “Pool vertikaler Sites” aus?

  • Die Website muss ein vertikaler Aggregator mit Suchfunktion sein
  • Links von der jeweiligen Plattform müssen direkt zu den gelisteten Anbietern führen
  • Die Suchtechnologie der jeweiligen Plattform darf nicht auf der Google Suche basieren
  • Die Plattform muss Suchergebnisse ausliefern können, die zur Suchkategorie passen, für die die Aufnahme in den “Pool ausgewählter Aggregatoren” beantragt wurde
  • Google wird die Liste der vertikalen Aggregatoren öffentlich machen

Welche sind die minimalen Qualitätskriterien, denen die vertikalen Aggregatoren entsprechen müssen?

  • Das hinter einer Plattform stehende Unternehmen muss rechtlich korrekt registriert worden sein und dies auch nachweisen können
  • Die Plattform muss ein Minimum an Popularität aufweisen. Google wird hierzu Alexa-Trafficdaten oder weitere Quellen heranziehen.
  • Falls Google tatsächlich Alexa hierfür heranzieht, muss die Domain einen minimalen Alexa-Rank von 100.000 (worldwide) aufweisen oder einen Alexa-Rank von 5.000 (eruopaweit)
  • Die Website darf weder die Google Qualitätsrichtlinien verletzen, noch die rechtlichen Bestimmungen beim Betrieb verletzen
  • Die Ergebnisse müssen ohne Download oder Log-in erreichbar sein
  • Die eingereichten Domains dürfen maximal zu 5% Fehlermeldungen beim Traffic auf die Gesamtzahl an URLs der Domain führen
  • Google behält sich das Recht vor die Nutzererfahrung auf der Website als Qualitätskriterium heranzuziehen

Eure Meinung?

Wie seht ihr das Ganze? Geht Google hier in die richtige Richtung, oder könnte dieser Schritt nicht vielleicht für noch mehr Unzufriedenheit bei denjenigen Unternehmen sorgen, die nicht in das Programm aufgenommen werden?

Bieten die alternativen Links tatsächlich einen Mehrwert für den Nutzer, oder betreibt Google hier lediglich ein wenig Augenwischerei? Was für Kritieren sollten vertikale Suchportale Eurer Meinung nach erfüllen, um in den Kreis der aufgenommenen Portale aufgenommen zu werden? Oder ist das ganze Konstrukt nicht vielleicht im Kern ganz einfach ungerecht und nur wenig sinnvoll?

Ich bin gespannt auf Eure Kommentare!

Weiterführende Links:

Bildquelle:
flickr / Hobo50


6 Antworten zu “Google VS. EU-Kommission: Sehen so bald die lokalen SERPs aus?”

  1. Günter sagt:

    Solange 99% der Internet User ausschließlich Google als Suchmaschine benutzen, werden die Google-Leute immer versucht sein, noch mehr Werbung und noch mehr Links zu ihren eigenen Angeboten auf die Ergebnisseiten zu packen.

    Ein bisschen Wettbewerb wäre da nicht schlecht, weil ansonsten keine organische Ergebnisse above-the-fold mehr angezeigt werden.

    Doch wer bietet sich schon als geeignete Alternative an? Und selbst mögliche Alternativen wie Bing sind ähnlich voll mit Werbung…

    • Hallo Günter,

      Danke für Deinen Kommentar!

      Tja… das mit dem „Monopol“ ist so eine Sache bei Google. Die Nutzer müssen ja nicht Google benutzen, das „Monopol“ ist von den Verbrauchern hausgemacht.

      Wenn die Verbraucher deutlich kritischer wären, dann könnten diese auch deutlich mehr Druck auf die Anbieter ausüben, indem Abwanderungen zu Alternativen Anbietern in Aussicht gestellt werden…

      So träge wie die allermeisten Nutzer jedoch sind, ist jedoch aktuell nicht absehbar, dass sich am status quo etwas ändert.

      Gruß,
      Sebastian

  2. Solange wie Google solche Suchergebnisse liefert wie es das tut – und der einzige Konkurrent der halbwegs Seiten im Index hat (Yahoo/Bing) son nen z.T. Müll zurückliefert, wo ich mich dann Frage was da wohl kommt wenn sie wie Google doppelt soviel Seiten im Index haben?
    Solange werden 99% der Sucher Google Nutzen – und das meistgesuchte Wort bei Bing wird Google bleiben – und wie passiert das? Internet Explorer auf – Google eingeben und .de vergessen. :)

    • Hi Tom,

      das sehe ich grundsätzlich auch so, aber z.T. liegt das auch daran, dass man sich daran gewöhnt hat, was Google als Ergebnisse ausliefert. Teilweise sind die Ergebnisse bei Bing oder DuckDuckGogo gar nicht mal so schlecht… deshalb gehe ich davon aus, dass der Faktor „Gewohnheit“ sehr einflussreich ist.

      Ich behaupte sogar, dass man „Otto-Normalnutzer“ problemlos auch mit Bing-Suchergebnissen zufriedenstellen kann. Die Nutzer haben jedoch vergessen, dass man in Browsern auch Web-Adressen eingeben kann und nicht nur per Omnibox Suchanfragen reintippen kann…

      Gruß,
      Sebastian

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