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Google verstößt gegen eigene Richtlinien & „erschleicht“ sich Bewertungen von Nutzern

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Um die Anzahl der Bewertungen auf Google+ Local anzukurbeln verstößt Google gegen die eigenen Richtlinien für Google+ Local Einträge

con beerBewertungen sind das „Salz in der Suppe“ wenn es um lokale Firmeninformationen geht. In Branchen wie Essen & Trinken, Nachtleben & Lifestyle, oder Beauty & Wellness ist das auch in vielen Fällen nicht wirklich ein Problem.

Das sind Branchen in denen die Nutzer wirklich gerne eigenständig online gehen, um ihre Meinung auf Bewertungsportalen wie Yelp oder KennstDuEinen, oder in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Google+ kundzutun.

Doch was ist mit den „langweiligen“ Branchen? Was ist mit den Firmen oder Dienstleistern, die tagtäglich von abertausenden Nutzern in Anspruch genommen werden, bei denen es aber den Nutzern in vielen Fällen nicht einfällt eigenständig ihre Erfahrungen online zu stellen? Was für Möglichkeiten bestehen hier, damit Unternehmen an die so wichtigen Bewertungen und Empfehlungen gelangen?

Diese Fragestellung bewegt viele Unternehmen, Betreiber von Bewertungsplattformen und auch Google selbst gleichermaßen. Doch im Grunde ist es gar nicht so schwer sich um Bewertungen zu kümmern, wenn man sich mal die folgenden Artikel in Ruhe anschaut, die sich ausgiebig mit dieser Thematik befassen:

Wie steht Google zu Bewertungen auf Google+ Local?

Auch Google hat zum Thema „Kundenbewertungen“ ein paar klare Aussagen in den Google+ Local Richtlinien veröffentlicht:

„Reviews are only valuable when they are honest and unbiased. For instance, as a business owner or employee you should not review your own business or current place of work. Don’t offer money or product to others to write reviews for your business or write negative reviews about a competitor. We also discourage specialized review stations or kiosks set up at your place of business for the sole purpose of soliciting reviews. As a reviewer, you should not accept money or product from a business to write a review about them. Additionally, don’t feel compelled to review a certain way just because an employee of that business asked you to do so. Finally, don’t post reviews on behalf of others or misrepresent your identity or affiliation with the place you are reviewing“

Quelle: https://support.google.com/places/answer/187622?hl=en&topic=1656880

Auf deutsch ist diese Passage etwas weniger ausführlich und detailliert, gibt aber sinngemäß das selbe wieder:

„Interessenkonflikt: Erfahrungsberichte sind nur sinnvoll, wenn sie ehrlich und objektiv sind. Auch ein in bester Absicht verfasster Erfahrungsbericht verliert an Glaubwürdigkeit, wenn er nicht objektiv ist. Bieten und akzeptieren Sie beispielsweise kein Geld oder Wertgegenstände, damit jemand positive Erfahrungsberichte zu einem Unternehmen oder negative Erfahrungsberichte zu einem Konkurrenten schreibt. Veröffentlichen Sie keine Erfahrungsberichte im Namen anderer Personen und stellen Sie nicht Ihre Identität oder Ihre Verbindung zu dem bewerteten Ort falsch dar.“

Quelle: https://support.google.com/places/answer/187622?hl=de&topic=1656880

Angesichts dieser Ausführungen ist es umso verwunderlicher, dass Google in den vergangenen Tagen eine groß angelegte Promotion-Aktion gestartet hat, die einzig und alleine darauf hinausläuft, dass mehr Nutzer sich animiert fühlen Bewertungen auf Google online zu stellen.

Hier der Aufruf von Google auf Facebook:
Google buying reviews from facebook users

Hier der Aufruf von Google auf Google+:
Google buying reviews from users

Wie war das noch mal mit den „erschlichenen“ Bewertungen?

Was Google hier veranstaltet verstößt klar gegen die eigens durch Google aufgestellten Richtlinien im Zusammenhang mit Bewertungen. Google veranstaltet ein Gewinnspiel, bei dem diejenigen Nutzer, die am meisten Bewertungen auf Google+ Local online gestellt haben, hinterher auch die größten Chancen haben.

Masse statt Klasse? Egal. Her mit den Bewertungen…!

Na aber hallo… es ist doch vollkommen egal was in den Bewertungen steht, Hauptsache es sind richtig viele und dafür werden die fleißigen Nutzer dann auch noch von Google „belohnt“ indem sie ein Ticket für das „San Francisco Bacon & Beer Festival“ gewinnen können. Ein Ticket für dieses fröhliche Ess & Trink-Festival kostet jedoch pro Person 50 US$, was in meinen Augen einen nicht geringen Betrag für ein paar online gestellte Bewertungen darstellt.

bacon beer festival san francisco

In meinen Augen stellt dies – wenn nicht einen klaren Verstoß gegen die Google+ Local Richtlinien – dann aber einen ganz klaren Fall von schlechtem Vorbild dar. Wie soll ein lokales Unternehmen die Richtlinien von Google überhaupt noch ernst nehmen, wenn Google selbst diesen Richtlinien eindeutig zuwider läuft?

Darüber hinaus ist es in meinen Augen auch noch ein ganz schlechter Stil die Nutzer zu möglichst vielen Bewertungen zu motivieren, indem diesen eine Teilnahme an einem feucht-fröhlichen Fressgelage in Aussicht gestellt wird, wenn diese massenhaft Reviews auf Google+ Local veröffentlichen. Die Qualität dieser Bewertungen, bzw. deren Authentizität läuft in meinen Augen Gefahr durch diese offensichtlich unsaubere Incentivierung von Google etwas korrumpiert zu werden…

… aber was tut man nicht alles, wenn man der Marktführer in allen Kategorien des Webs werden möchte?


10 Antworten zu “Google verstößt gegen eigene Richtlinien & „erschleicht“ sich Bewertungen von Nutzern”

  1. […] KennstDuEinen: Google verstößt gegen eigene Richtlinien & “erschleicht” sich Bewertungen von Nutzern […]

  2. […] die mehr Nutzer dazu animieren soll, Bewertungen auf Google online zu stellen. Dies verstoße laut KennstDuEinen gegen die […]

  3. Daniel sagt:

    Es gibt einen kleinen aber feinen Unterschied zwischen der englischen und der deutschen Fassung des Textes. Im deutschen Text heißt es: „…damit jemand POSITIVE Erfahrungsberichte zu einem Unternehmen…“ Demnach wäre es meiner Meinung nach grundsätzlich in Ordnung Leuten etwas für das Schreiben von Bewertungen zu versprechen, solange dieses Versprechen nicht ausschließlich für positive Bewertungen gilt.

    Im englischen wird jedoch generell von Bewertungen gesprochen, bezieht man sich auf diesen Text, dürfte man keine Versprechungen machen, egal ob die Bewertung positiv oder negativ ausfällt.

    Sehe ich das falsch und wenn nein, was gilt?

    • Sebastian Socha sagt:

      Hallo Daniel,

      Du darfst davon ausgehen, dass die deutsche Übersetzung einfach verkürzt ist und schlecht übersetzt wurde, was bei Google üblich ist.

      Es wäre offensichtlich auch Erbsenzählerei hierbei eine Unterscheidung zu machen, ob es nun um POSITIVE oder um BEWERTUNGEN ALLGEMEIN geht…

      Darüber hinaus wird Google auch keine anderen Richtlinien hierzulande verfolgen, aber im Endeffekt kann Google ohnehin kaum feststellen, ob ein lokales Unternehmen eine Verlosung unter denjenigen Kunden veranstaltet, die eine Bewertung veröffentlicht haben…

      Gruß,
      Sebastian

  4. Google ist gleicher als Andere. Wir sprechen hier von Unternehmensregeln – manchmal kommt es mir vor, dass diese selbstgestrickten Regeln mit Gesetzen verwechselt werden.

    • Hallo Andreas,

      Mir ist schon klar, dass wir von Unternehmensregeln reden und dass es sich nicht um Gesetze handelt.
      Worum es mir geht ist in diesem Zusammenhang ein wenig Transparenz, die Google schon lange nicht mehr lebt und nach außen trägt.

      Das ein Unternehmen die selbst aufgestellten Regeln bricht ist heutzutage zwar in der Wahrnehmung schon fast „normal“, sollte es aber nicht sein.

      Gruß,
      Sebastian

  5. Vincent sagt:

    Das Thema wirft meiner Meinung nach ein relativ großes Problem auf.
    Wie schon im Artikel erwähnt, gibt es Branchen z.B. die Gastronomie in denen Bewertungen inzwischen Standart sind. Für Restaurants ist es relativ leicht eine gute Präsenz zu erhalten. Wohingegen andere Unternehmen mit indirektem Kundenkontakt bisher nahezu keine Möglichkeit haben richtig wahrgenommen zu werden.
    Ich bin der Meinung, dass jedes Unternehmen von der Community reflektiert werden sollte.

    Wie könnte eurer Meinung nach diesem Problem begegnet werden?

    • Hallo Vincent,

      Zum einen muss man die Kunden in den „langweiligen“ Branchen pro-aktiv angehen und diese als Unternehmen regelmäßig um Online-Bewertungen bitten.

      Hier können helfen:

      – vorgefertigte Bewertungspostkarten
      – Bitte um Bewertungen auf Rechnungen
      – Links zu Online-Bewertungsportalen auf der Firmen-Website
      – Bewertungsterminal im Wartezimmer/ Empfangsbereich
      – QR-Codes mit Links zum Google+ Local Eintrag auf Flyern/ Plakaten/ etc.

      Dabei gilt es zu vermeiden, dass man aktiv Rabatte/ Incentives für gute Bewertungen anbietet, damit die Kundenmeinungen authentisch bleiben.

      Zum anderen entwickelt sich bereits in vielen Branchen zusehends ein Bewußtsein für den Stellenwert von Bewertungen – sowohl auf Unternehmensseiten, als auch auf Kundenseite. Dies führt aktuell schon zu einem Anstieg an Bewertungen in „langweiligen“ Branchen, wenn auch selbstverständlich noch nicht in dem Umfang, wie man es von „Essen & Trinken“ her kennt.

      Gruß,
      Sebastian

  6. Ernst sagt:

    Regeln sind da um sie zu brechen. Manchmal muss man auch einfach das tun was gebraucht wird.

  7. Leute, das ist halt GOOGLE! Eine Firma, die auf YouTube die Community-Richtlinien diktiert und diese selber kaum befolgt oder nach eigenem Gusto auslegt. Da darf es nicht wundern, dass die ihre eigene Nutzungsbedingungen beugen oder diese für sich selber als „nicht gültig“ erachten.

    Und ganz ehrlich: ein Unternehmen, dass auf der ganzen Welt präsent ist und ein „Staat im Staat“ bildet, weil es meint, für sie gilt nur das US-amerikanische Rechtssystem, was in Europa nicht zulässig ist, von dem würde ich mir eh nichts sagen oder diktieren lassen. Ganz einfach!

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