KennstDuEinen Blog

EU-Kommission VS. Google – Neue SERPs braucht das Land!

Geschrieben am von

Wie werden die neuen lokalen Suchergebnisse vor dem Hintergrund der Entscheidung der EU-Kartellklage gegen Google aussehen?

Google VS. EU-KommissionWie SPON berichtet lässt die EU-Kommission derzeit mit Hilfe der Bevölkerung prüfen, inwieweit die Bevorzugung der hauseigenen Dienste angesichts der Zugeständnisse die Google der EU gegenüber gemacht hat, noch immer zutreffen.

Der Hintergrund der bei der EU vorgebrachten Kartellvorwürfe beläuft sich auf eine Sammelklage zahlreicher Unternehmen, die sich unter der Führung der ICOMP – einer von Microsoft initiierten Lobby-Vereinigung – zusammengeschlossen und eine Kartellklage bei der EU eingereicht haben.

Der Vorwurf, dem die EU-Kommission folgt, beläuft sich auf folgende Punkte:

i) die Bevorzugung von Links zu Googles eigenen spezialisierten Suchdiensten (d. h. Suchdiensten, die es den Nutzern ermöglichen, nach bestimmten Arten von Informationen wie Restaurants, Hotels oder Produkten zu suchen) in den Online-Suchergebnissen von Google gegenüber Links zu konkurrierenden spezialisierten Suchdiensten;

ii) die unautorisierte Verwendung von Originalinhalten von Webseiten Dritter in den spezialisierten Suchdiensten von Google;

iii) Vereinbarungen, die Betreiber von Webseiten („Verleger“) dazu zwingen, den gesamten oder den Großteil ihres Bedarfs an Suchmaschinenwerbung über Google zu decken; und

iv) vertragliche Beschränkungen im Hinblick auf die Übertragbarkeit von Suchmaschinen-Werbekampagnen auf konkurrierende Plattformen für Suchmaschinenwerbung und das plattformübergreifende Management von Suchmaschinen-Werbekampagnen.

Dem gegenüber stehen aktuell die Selbstverpflichtungen von Google:

Um diese Bedenken auszuräumen, hat Google für einen Zeitraum von fünf Jahren zugesagt:

i)
– die Links zu seinen eigenen spezialisierten Suchdiensten zu kennzeichnen, damit die Nutzer sie von natürlichen Online-Suchergebnissen unterscheiden können;
– diese Links durch bestimmte grafische Elemente (z. B. mit einem Rahmen) deutlich von den anderen Online-Suchergebnissen abzusetzen;
– Links zu drei konkurrierenden spezialisierten Suchdiensten an einer für den Nutzer gut sichtbaren Stelle in der Nähe der Links zu den Google-eigenen Diensten zu platzieren;

ii)
– allen Betreibern von Webseiten eine Opt-out Möglichkeit anzubieten, über die diese die Verwendung ihrer Inhalte in den spezialisierten Suchdiensten von Google ausschließen können, wobei Google sicherstellen wird, dass sich dieses Opt-out nicht nachteilig auf das Ranking der betroffenen Webseiten in den allgemeinen Google-Suchergebnissen auswirken wird;
– allen spezialisierten Suchdiensten, die sich auf die Produktsuche oder lokale Suche konzentrieren, die Möglichkeit zu bieten, bestimmte Kategorien von Informationen zu kennzeichnen, so dass sie nicht von Google indexiert oder verwendet werden;
– Zeitungsverlegern einen Mechanismus zur Verfügung zu stellen, mit dem sie Webseite für Webseite die Anzeige ihrer Inhalte in Google News kontrollieren können;

iii)
– in seinen Vereinbarungen mit Verlegern diesen keine schriftlichen oder mündlichen Verpflichtungen mehr aufzuerlegen, die diese dazu zwingen würden, ihren Bedarf an Suchmaschinenwerbung ausschließlich über Google zu decken;

iv)
– Werbetreibenden keine Verpflichtungen mehr aufzuerlegen, die diese vom plattformübergreifenden Management von Suchmaschinen-Werbekampagnen abhalten würden.

Diese Verpflichtungszusagen würden im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) Anwendung finden.

Quelle: http://europa.eu/rapid/press-release_IP-13-371_de.htm

Was heißt das speziell für die lokalen Google Suchergebnisse?

1) Angesichts der Zugeständnisse von Google muss klar sein, dass fortan bei den lokalen Suchergebnissen – die als Universal Search Integration Resultate aus Google Places präsentieren – mindestens drei weitere Aggregatoren- oder Verzeichnisse für lokale Firmeninformationen zu finden sein werden.

2) Darüber hinaus müssen die lokalen Universal Search Ergebnisse, auch bekannt als 3- bis 7-Pack, gesondert hervorgehoben gekennzeichnet werden, damit für den Nutzer ersichtlich ist, dass es sich um Google Resultate handelt, die nicht den organischen Suchresultaten entsprechen.

3) Außerdem müssen künftig derartige Links und Ergebnis-Boxen grafisch gesondert gekennzeichnet werden, damit sich diese ganz klar von den herkömmlichen Google SERPs abheben.

Schauen wir uns nun einfach mal an, was Google sich dabei gedacht hat und wie Umsetzung der neuen SERPs aussehen könnte:

Neue Optik der lokalen Google Suchergebnisse auf dem Desktop (Vorschlag)

Lokale Google SERP mit drei Links zu Wettbewerbern

Wie man erkennt wird bei diesem Vorschlag die Karte wieder in der mittleren Content-Spalte über den lokalen Suchergebnissen angezeigt. Diese Resultate werden nun mit einem dünnen, hellgrauen Rahmen von den übrigen Ergebnissen abgehoben. Inkludiert ist nun der Hinweis „Google Places Search“ sowie die drei Links „Search on Site1, Site2, Site3“.

Neue Optik der lokalen Google Suchergebnisse auf Smartphones (Vorschlag)

Mobile Lokale Google SERP mit drei Links zu Wettbewerbern

In der mobilen Version der Google SERPs wird das oben gezeigte Prinzip umgekehrt. An erster Stelle steht der Hinweis auf die „Google Places Search“ sowie ein Link zu „Other Sites“. Bei einem Klick darauf soll sich ein Layer öffnen, in dem man auf einen der drei Links klicken kann. Auch hier wird die Ergebnis-Box minimal mit einer hellgrauen, dünnen Linie von den übrigen Suchergebnissen abgehoben.

Googles Entgegenkommen: Eine Farce?

Wer sich diesen Beitrag bis hierher angeschaut hat, der wird sich sicher die Frage stellen: War das etwas alles? Da streiten Fortune 500 Unternehmen auf das heftigste seit Jahren, Google wird vor das Kartellamt der EU gezerrt, welches tatsächlich ein „Fehlverhalten“ feststellt. Google liefert Zugeständnisse ab und dann bleibt es bei grauen, dünnen Linien und drei winzigen Links zu „Other Sites“?

Geschickt eingefädelt, denn wer die Zugeständnisse von Google liest, der merkt, dass Google auch tatsächlich liefert, was es verspricht. Das hierbei nur der kleinstmögliche „Minimal-Ansatz“ verfolgt wird, ist aus Sicht von Google klar und womöglich auch der Grund, weshalb die EU unsicher geworden ist und nun die Bevölkerung zusätzlich prüfen lässt, ob die Google’schen Zugeständnisse auch tatsächlich das halten, was sie eigentlich versprechen sollten.

Am interessantesten ist ohnehin die Frage, welche drei Websites als „Site 1, Site 2, Site 3“ gefeatured werden!

Eine Antwort auf diese Fragestellung findet man, wenn man sich bis zu Seite 18 in dem englischsprachigen Dokument der EU-Kommission „COMMITMENTS IN Case COMP/C-3/39.740 – Foundem and others“ hindurchkämpft.

Dort heißt es verkürzt:

  • Es wird ein Tool geben, über dass vertikale Aggregatoren die Aufnahme in einen passenden „Pool an vertikalen Websites“ beantragen können
  • Die in dem Pool aufgenommenen Unternehmen müssen Google Daten zum Unternehmen und zur Domain mitteilen, wie bspw. die URL-Struktur, oder eine Liste aller aktiven Domains
  • Google wird den Pool an vertikalen Websites alle drei Monate aktualisieren
  • Google wird diejenigen Unternehmen darüber benachrichtigen, wenn deren Aufnahmeantrag abgelehnt wurde
  • Abglehnte Websites, können die Aufnahme erneut nach einem Monat beantragen
  • Nur Google entscheidet über die Qualitätskriterien, die zur Aufnahme in den Pool vertikaler Verzeichnisse notwendig sind

Wie sehen die allgemeinen Kriterien zur Aufnahme in den erlauchten „Pool vertikaler Sites“ aus?

  • Die Website muss ein vertikaler Aggregator mit Suchfunktion sein
  • Links von der jeweiligen Plattform müssen direkt zu den gelisteten Anbietern führen
  • Die Suchtechnologie der jeweiligen Plattform darf nicht auf der Google Suche basieren
  • Die Plattform muss Suchergebnisse ausliefern können, die zur Suchkategorie passen, für die die Aufnahme in den „Pool ausgewählter Aggregatoren“ beantragt wurde
  • Google wird die Liste der vertikalen Aggregatoren öffentlich machen

Welche sind die minimalen Qualitätskriterien, denen die vertikalen Aggregatoren entsprechen müssen?

  • Das hinter einer Plattform stehende Unternehmen muss rechtlich korrekt registriert worden sein und dies auch nachweisen können
  • Die Plattform muss ein Minimum an Popularität aufweisen. Google wird hierzu Alexa-Trafficdaten oder weitere Quellen heranziehen.
  • Falls Google tatsächlich Alexa hierfür heranzieht, muss die Domain einen minimalen Alexa-Rank von 100.000 (worldwide) aufweisen oder einen Alexa-Rank von 5.000 (eruopaweit)
  • Die Website darf weder die Google Qualitätsrichtlinien verletzen, noch die rechtlichen Bestimmungen beim Betrieb verletzen
  • Die Ergebnisse müssen ohne Download oder Log-in erreichbar sein
  • Die eingereichten Domains dürfen maximal zu 5% Fehlermeldungen beim Traffic auf die Gesamtzahl an URLs der Domain führen
  • Google behält sich das Recht vor die Nutzererfahrung auf der Website als Qualitätskriterium heranzuziehen

Wie das bei rechtlichen Schriften so ist, könnte ich nun endlos so weitermachen, denn im Originaltext geht es tatsächlich noch seitenweise weiter mit detaillierten Erklärungen zur Ranking-Mechanik der einzelnen vertikalen Aggregatoren, zu einzelnen Qualitätskriterien und vieles mehr… wer sich dafür interessiert, der sollte sich das Originaldokument einfach in Ruhe anschauen.

Fazit

Es wird mal wieder spannend auf den SERPs. Zwar stellen die von Google gelobten Veränderungen auf den SERPs keine umfassenden Änderungen dar, sie bieten aber dennoch ausreichend Raum für erhitzte Gemüter, Verwirrung und Enttäuschung. Wer wird es wohl schaffen in einer bestimmten Suchkategorie in den Pool der ausgewählten Aggregatoren aufgenommen zu werden? Wer nicht? Warum ist das so? Wieso wurde eine bestimmte Website nach einer Weile abgelehnt? In welchen Suchkategorien „denkt“ Google? Wie stark „dehnbar“ sind die o.g. Qualitätskriterien?

Diese und etliche weitere Fragen werden sicher dazu führen, dass die Debatte um die Monopolsituation von Google ganz sicher nicht zu einem baldigen Ende kommt.

Solange Google einen Marktanteil von über 90% in den EU-Ländern hält und auch in den Köpfen der Nutzer als die alleinige Anlaufstelle bei der Beschaffung von Informationen im Internet wahrgenommen wird, solange werden die direkt mit Google konkurrierenden Unternehmen damit zu kämpfen haben, sich in der Sichtbarkeit auf den Suchergebnissen zu behaupten. Ein erster Schritt zur Regulierung durch die EU wurde nun unternommen, worauf das alles hinausläuft ist jedoch nicht absehbar… außer, dass das ICOMP unter der Führung von Microsoft ganz sicher nicht locker lassen wird…

Bildquelle SERPs:
http://www.ngsmarketing.com/how-googles-local-search-results-will-look-in-europe/


2 Antworten zu “EU-Kommission VS. Google – Neue SERPs braucht das Land!”

  1. Nico sagt:

    Danke fürs Aufbereiten der Daten (bestimmt den halben Tag dran gesessen oder?) 😉

    LG Nico

    • Sebastian Socha sagt:

      Hallo Nico,

      Danke für Deinen Kommentar!
      Ja… ein Weilchen saß ich schon den unglaublich trockenen Texten der EU-Kommission 😉
      Aber keine halben Tag…

      Gruß,
      Sebastian

Einen Kommentar schreiben