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Vergrößerter Suchradius auf Google Places aktiv?

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Weitet Google den angezeigten Kartenausschnitt bei Places und damit das Einzugsgebiet bei lokalen Suchanfragen deutlich aus?

Vergrößertes Einzugsbiet auf Google PlacesMein Team und ich hatten in den letzten Tagen bereits das unbestimmte Gefühl, dass sich bei Google Places erneut etwas geändert hat, denn die Auswahl der angezeigten lokalen Anbieter hat sich bei etlichen „Branche + Stadt“ Suchanfragen erheblich geändert.

Nun hat Mike Blumenthal über dieses Phänomen gebloggt und bestätigt damit unseren Eindruck, dass Google nämlich derzeit dazu übergeht, den angezeigten Kartenausschnitt bei Google Places und damit das Einzugsgebiet bei lokalen Suchanfragen wieder zu vergrößern.

Dies steht in einem deutlichen Gegensatz zu der Entwicklung seit Oktober 2011, als Google doch recht deutlich den berücksichtigen Radius zur Anzeige relevanter lokaler Anbieter reduziert und damit zumeist zentrumsnahe Betriebe und Dienstleister in den Suchergebnissen bevorzugt angezeigt hat.

Zur Illustration dieses Sachverhalts greife ich zunächst auf eine Abbildung von Linda Buquet zurück, die sich mit dem im vergangenen Herbst beobachteten Phänomen in dem Artikel „Google Places Algorithm Change – New Proximity Lockout Algo Can Cause Major Ranking Drop“ detailliert auseinandergesetzt hat.

Reduktion des Suchradius auf Google Places September/ Oktober 2011 – „Seattle Chiropractor“
Reduktion des Suchradius auf Google Places
Bildquelle catalystemarketing.com

Wie man deutlich erkennt ging Google zwischen September und Oktober 2011 dazu über, das berücksichtige Einzugsgebiet zur Anzeige der lokalen Suchergebnisse erheblich zu verkleinern. Mit einem Schlag konnten so bislang erfolgreich auf Google Places vertretene lokale Unternehmen und Dienstleister aus dem Suchradius fliegen und wurden bei entsprechenden lokalen Suchanfragen schlicht nicht mehr berücksichtigt.

Aus vielen Gesprächen mit etlichen unserer Kunden im Bereich Google Places Optimierung ging hervor, dass diese eine solche Sachlage selbstverständlich als recht negativ empfanden, wie auch der Sinn für den Nutzer sich auf Grundlage derart „beengter“ lokaler Suchergebnisse nicht wirklich erschließen ließ…

Gerade lokale Anbieter, die knapp außerhalb des Stadtzentrums lagen, konnten nun ziemlich sicher sein, bei der Suche nach „ihrer Stadt und Branche“ nicht mehr auf der ersten Suchergebnisseite mit ihrem Google Places Eintrag zu ranken, außer diese drehten doch erheblich an den zur Verfügung stehenden Schrauben indem diese aktiv Lokale Suchmaschinenoptimierung und Google Places SEO betrieben.

Vergrößerter Suchradius auf Google Places

Mit den aktuell stattfindenden Änderungen auf Google Places ändert sich dieser Sachverhalt erneut. Wirft man nun einen Blick auf ein aktuelles, lokales Suchergebnis auf Google.com für die selbe Suchphrase „Seattle Chiropractor“, wie in dem obigen Beispiel, dann wird rasch deutlich, wie sehr Google das Einzugsgebiet zur Berücksichtigung lokaler Places Einträge nun ausgeweitet hat.

Ausweitung des Suchradius auf Google Places Februar 2012
Vergrößerter Suchradius auf Google Places Februar 2012

Ich habe hier einfach mal den Ausschnitt von Oktober 2011 grün markiert, der in der oberen Abbildung von Linda Buquet dokumentiert wurde. Betrachtet man diesen Suchradius, so wird klar, dass dieser nun sogar erheblich größer ist, als dieser noch vor der Umstellung im September 2011 zu beobachten war.

Damit erhält nun eine große Anzahl lokaler Anbieter die Möglichkeit, bei passenden lokalen Suchanfragen wieder bei den Places Resultaten auf den Google Suchergebnisseiten aufzutauchen…

… wären da jedoch nicht die aktuellen Umstellungen, die…

… in vielen Branchen generell zu einer erheblichen Reduktion der Places Suchergebnisse auf den Google Resultaten geführt haben, denn es werden nunmehr an Stelle des klassischen 7-Packs, zumeist 3- bis 5-Packs angezeigt, wie dies uns Markus Hövener von den Internetkapitänen in einem sehr nützlichen Artikel anhand einer kleinen Datenbasis von 150 lokalen Resultaten zeigen konnte.

Möglicherweise ist auch genau diese Umstellung einer der Hauptgründe dafür, weswegen der Kartenausschnitt nun grundsätzlich ausgeweitet wurde?

Denn mit der Reduktion der angezeigten Places Resultate kann so Google weiterhin die lokale Relevanz erhalten, indem dem Nutzer eine Vielzahl roter PINs präsentieren, die in einem weiten Abstand rund um die angezeigten drei bis fünf lokalen Treffer gruppiert sind. Passt nämlich die Nähe der im 3-Pack enthaltenen Anbieter nicht zum Standort des Suchenden, so kann sich dieser mit Hilfe der umliegendenen roten PINs zumindest weitere, räumlich besser passende Places Ergebnisse aussuchen und anklicken, bzw. nach Klick auf die Karte direkt auf Google Maps weiternavigieren.

Der „Location sensitivity“ Algorithmus und das Problem lokaler Relevanz

Mike Blumenthal verweist außerdem in seinem Artikel auf die Möglichkeit, dass Google sukzessive dazu übergeht, den „Location sensitivity“ Algorithmus verstärkt zur Anwendung zu bringen, der erstmalig im Jahr 2006 von Bill Slawsky ausgiebig vorgestellt und zur Disposition gestellt wurde.

Mit dem „Location sensitivity“ Konzept ist schlicht gemeint, dass manche lokale Suchanfragen mit einem höheren Grad an geographischer Nähe ausgestattet sind, als andere. Ganz einfach ausgedrückt signalisiert aus Sicht des „Location sensitivitiy“ Algorithmus die Suchphrase „Pizzalieferdienst Berlin“ einen deutlich höheren Grad an geographischer Relevanz, der sich in der Nähe zum Suchenden ausdrückt, als die Suchanfrage „Schreiner Berlin“, bei dem es nicht zwingend notwendig ist, dass sich dieser in dem gleichen Stadtteil befindet in dem ich auch wohne und zu dem ich die Pizza gerne bestellen möchte.

In einem Satz:
Bei manchen Suchphrasen ist die geographische Nähe der Places Resultate zum Standort des Suchenden wichtiger, als bei anderen.

Kriterien, Signale und auswertbare Datenpunkte des „Location sensitivity“ Algorithmus zur Definition des Suchradius bzw. Einzugsgebiet

  • Branche verweist auf geographische Nähe zum Suchenden als Relevanzkriterium
  • Quantität und Dichte der Unternehmen
  • Geographische Beschaffenheit
  • Urbane Beschaffenheit
  • Relation zum Geo-Modifier in der Suchphrase
  • Verfeinernde Angaben wie PLZ oder Stadtteil
  • Standort des Suchenden bei der Mobilen Suche
  • Relative Häufigkeit von Anfahrts- und Wegbeschreibungen

Die hier von mir zusammengetragenen Punkte, kann man in aller Ausführlichkeit in diversen Beiträgen von Bill Slawski und auch in einem Artikel zur „Location Prominence“ von Mike Blumenthal nachlesen.

Aus meiner Feder stammt ebenfalls ein Beitrag, der sich mit dem Konzept der „Location Prominence“ im Zusammenhang mit der dazugehörigen Google-Patentschrift befasst.

Wie sehr ist die aktuelle Beobachtung verallgemeinerbar?

Die aktuellen Beobachtungen von mir und den Local-SEO Experten aus den US kann man sicher noch nicht als endgültig gesichert bezeichnen. Dazu fließen auch zu viele einzelne Faktoren bei der Berechnung des „Location Score“ mit ein, die von Nutzer zu Nutzer und von Suchstandort zu Suchstandort sowie von Branche zu Branche deutlich variieren können.

In meinen Augen zeichnet sich jedoch ein Trend ab, der mit der Reduktion der Places Suchergebnisse hin zum 3- bis 5-Pack einsetzt und über die Ausweitung des Suchradius abgefedert wird. Eventuell haben auch zahllose Usability-Tests ergeben, dass zahlreiche Nutzer gerne direkt auf Google Maps weitersuchen, falls sich unter den ersten drei bis fünf Places Ergebnissen kein gewünschter Anbieter gefunden hat.

Lesetipp:
Weiterführende Gedanken zu dem Aspekt, dass Google bspw. den Suchradius verkleinert, wenn im Stadtzentrum mehr und mehr gepflegte Google Places Einträge eingtragen werden, bzw. wie man durch Meldung eines im Stadtzentrum befindlichen Places-Spammers, das Einzugsgebiet wieder erfolgreich vergrößern konnte entnimmt man dem interessanten und aufschlussreichen Artikel „Google Places – Cracking the Proximity Lockout Algo„, der von Gav Hepinstall veröffentlicht wurde.

Fazit – Ausweitung des Einzugsgebiet auf Google Places

Wie auch immer der Suchradius sich in der kommenden Zeit entwickelt, so sollte klar sein, dass dessen Kalkulation anhand immer stärker verbesserter Algorithmen geschieht, die eine wachsende Anzahl an Relevanzkriterien als Grundlage für die Berechnung des Einzugsgebiet auswerten.

Dabei muss man sich künftig noch mehr daran gewöhnen, dass mobile Nutzer ein vollkommen anderes Suchergebnis angezeigt bekommen, als bei herkömmlichen Desktop-Suchen auf dem heimischen PC. Hat außerdem der Nutzer einen „Standort“ bei der Google Suche eingestellt, so kann auch dies den angezeigten Kartenausschnitt beeinflussen. Auch die Anzahl der auf Google Places generell eingetragenen lokalen Anbieter kann das Einzugsgebiet beeinflussen und zu dessen Verkleinerung führen.

Vor diesem Hintergrund muss einleuchten sein, dass es nicht sein darf, dass lokale Unternehmen sich einzig und allein auf deren Sichtbarkeit in den lokalen Places Resultaten verlassen, denn diese sind viel zu variabel und hängen von viel zu vielen lokalen Einflussfaktoren ab, als dass man diese zuverlässig kontrollieren könnte.

Auch hier gilt wie üblich meine Empfehlung für lokale Betriebe und Dienstleister, ihr Online-Marketing möglichst breit anzugehen und dafür zu sorgen, dass man auf einer Handvoll relevanter Bewertungsportale wie z.B. KennstDuEinen ebenso präsent ist, wie auf seriösen Branchenportalen und eben auch auf Google Places sowie selbstverständlich den drei größten sozialen Netzwerken Facebook, Twitter und Google Plus.

Das ist zeitintensiv und erfordert eine sorgfältig Einplanung der einzelnen Maßnahmen, bringt aber auch eine deutliche Erhöhung der Sichtbarkeit im Internet und sorgt bei kontinuierlicher Aktivität und Pflege für eine stete Steigerung der Kontaktraten und damit auch der Anzahl der Neukunden, die man über das Internet gewinnen kann.


6 Antworten zu “Vergrößerter Suchradius auf Google Places aktiv?”

  1. Hanns sagt:

    Das ist mal wieder ein spannender Artikel, vielen Dank. Linda Buquet hat leider ein etwas unglückliches Beispiel ausgewählt. Der Radius hängt stark davon ab wie sich die Top-Treffer auf der Karte verteilen. Google verucht sie immer zu zentrieren und wenn sie weit auseinanderliegen wird ein größerer Kartenausschnitt mit einem größeren Radius gewählt. Das sieht man immer sehr gut, wenn ein Unternehmen z.B. an den Stadtrand umzieht, aber seine Top-Position behält. Dann zeigt Google in der Karte einfach einen größeren Radius. In den Beispiel-Screenshots sieht man, dass die größeren Kartenausschnitte auch neue Top-Treffer haben (A, B, E). Eventuell haben diese Unternehmen erfolgreich an ihrem Ranking gearbeitet. Daher kann man bei dem Beispiel nicht sagen, ob diese den größeren Radius verursacht haben oder aber Google von sich aus den Radius geändert hat ud dabei neue Top-Treffer entstanden sind.

    • Hi Hanns,

      Danke für Deine Ergänzung!

      Was Du erwähnst ist ja die spannendeFrage…
      … und vielleicht ist das von Linda Buquet gewählte Beispie unglücklich, aber leider habe ich keine Screenshots von den mir vorliegenden Gegenbeispielen in dem „Vorher-Zustand“ dokumentiert.

      Konstituiert sich der Suchradius denn wirklich nur über die Top-Rankings?
      Ich will das ganz klar verneinen, denn ich habe über die vergangenen Monate gesehen, wie alleine durch die fortwährende Modifikation der Suchradien auch die enthaltenen Suchresultate geändert haben. Dabei habe ich gesehen, dass Unternehmen ihre Rankings verloren, einzig weil der Radius kleiner wurde – umgekehrt habe ich nun (mit unverhohlener Freude für einige unserer Kunden) festgestellt, dass damals verloren gegangen Rankings nun wiederhergestellt wurden.
      Aber Du hast Recht, es kommt vor, dass der Radius sich verändert, nur weil Unternehmen an ihren Rankings gearbeitet haben!

      Gruß,
      Sebastian

  2. […] Vergrößerter Suchradius auf Google Places aktiv? var szu=encodeURIComponent(location.href); var […]

  3. […] dazu hat Sebastian ebenfalls festgestellt, dass sich der Suchradius in der Google-Places-Anzeige vergrößert hat. […]

  4. Stefan sagt:

    Uns gefällt der Artikel. Mal eine Frage, die in diese Richtung geht: Kann man bei Google Maps eigentlich ein Minuten-Routing aufbauen?

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