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Zwingt Google Maps lokale KMU zur Schaltung von AdWords?

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Neue Informationsdarstellung auf Google Maps erhöht den Druck auf lokale KMU sich per AdWords zu bewerben

Google AdWordsNeue Features und Funktionalitäten werden von Google eigentlich fast immer mit einem Blogpost begleitet, egal wie klein und unwichtig diese sind.

Wenn jedoch im Bereich der Anzeigeneinblendungen etwas Neues eingeführt wird, dann geschieht dies bei Google immer still und heimlich, gerade wenn es sich nicht um die herkömmlichen Suchergebnisseiten handelt, sondern um ein “Nischenprodukt” wie Google Maps.

Aus diesem Grund hat sich Mike Blumenthal etwas umfassender mit der neuen Darstellung der Google AdWords auf Maps befasst und ergänzend noch ein paar wirklich fragwürdige Beispiele hinterhergeschoben.

Um die teils ungeheuerlichen Beispiele noch mehr publik zu machen, hat Greg Sterling sogleich eine Replik in seinem Blog veröffentlicht, in der dieser die Frage aufwirft, ob Google lokale Kleinunternehmen nun schlicht dazu “zwingt” Google AdWords zu buchen.

“Bad Ad” für eine Abtreibungsklinik bei der Suche nach einer Geburtsklinik auf Google Maps
Bad Ad auf Google Maps

Wie man erkennt, geht Google mittlerweile auf Google Maps dazu über, Anzeigen für direkte Wettbewerber oder thematisch ähnliche Anbieter einzublenden. Diese Ads werden eingeblendet, wenn man auf den entsprechenden Anbieter in der linken Sidebar klickt und die “Info-Bubble” mit den entsprechenden Kontaktadressen, etc. aufklappt.

Diese “Info-Bubble” wurde unlängst um das neue Anzeigenformat erweitert, was zwangsläufig zu folgenden Implikationen führen muss:

Szenario 1 – Wettbewerber werden prominent eingeblendet

Lokale Anbieter müssen damit beginnen AdWords für den eigenen Firmennamen sowie angrenzende Begrifflichkeiten zu buchen, wenn diese nicht möchten, dass Wettbewerber sich direkt unter ihren Kontaktinformationen mit einer Anzeige bewerben.

Suche nach “Lacoste Berlin” blendet Online-Shop der Konkurrenz in der “Info-Bubble” an
Lacoste Berlin

Eine Gebotsspirale wäre die logische Folge dieses Szenarios, was dazu führt, dass viel unnötiges Geld von lokalen Kleinunternehmen über Google AdWords verbrannt wird.

Szenario 2 – Nutzer werden inhaltlichem Schwachsinn ausgesetzt

Es werden unpassende, wenn nicht gar verletzende Anzeigen auf Google Maps eingeblendet, die den Nutzer irritieren und verunsichern können. Auch hier kann ein lokales Unternehmen mit einem Eintrag auf Google Maps es nur dann verhindern, dass Unsinn eingeblendet wird, der potenzielle Kundschaft vergraulen könnte, wenn dieses fortan gezielt Google AdWords für den eigenen Firmennamen bucht.

Unsinnige Werbung für eine Leihmutterschaft bei der Suche nach dem Klamottenladen “Wunschkind”
Unsinnige Werbung für eine Leihmutterschaft bei der Suche nach dem Klamottenladen Wunschkind

Wer nach einem Laden für Kinderkleidung sucht, der benötigt in aller Regel gerade keinen Anbieter für eine Leihmutterschaft, selbst wenn der Suchbegriff es nahe liegen könnte – Das Unternehmen Google schießt hier mit seiner Gier ganz eindeutig übers Ziel hinaus – die Qualität der Suchmaschine leidet deutlich darunter.

Es sind noch ganz andere Beispiele auffindbar, bei denen die eingeblendeten AdWords Anziegen überhaupt nicht im Sinne der Nutzer sein können: Sie sind unlogisch, störend und irritieren aufgrund ihrer Inhalte!

Fazit – Machen Google AdWords auf jedem freien cm² auf Google Maps Sinn?

Grundsätzlich zeichnet sich angesichts Googles jüngstem Vorstoß auf Google Maps eine gewisse Form von Geiselnahme ab, frei nach dem Motto: Der Firmeneintrag ist umsonst, aber die Anzeigen zu Euren Wettbewerbern werdet ihr nur los, wenn ihr für Euren Firmennnamen Google Werbung einkauft.

Weder Nutzer noch lokale Anbieter können ein derartiges Vorgehen gut heißen, denn erstere verlassen irritiert, oder verärgert die Suchmaschine und lokale KMU müssen viel Geld in die Hand nehmen, da andernfalls die Nutzer zur Konkurrenz abwandern, die bereits per Google AdWords wirbt.

In jedem Fall hinterlässt dieses Vorgehen bei mir einen unangenehmen Nachgeschmack, denn ob Google es tatsächlich nötig hat derart subtil-aggressiv AdWords in den Markt zu drücken, wage ich zu bezweifeln…

… da sind dann Programme wie NewYorkGetOnline oder dessen deutsches Pendant Online-Motor Deutschland wohl doch etwas nachhaltiger und stärker an den Bedürfnissen lokaler KMU orientiert, gerade wenn begleitend dazu interessante Informationsveranstaltungen und Workshops für lokale Dienstleister und Betriebe organisiert werden.

Für einen Vermarkter wie Google sollte es neben dem “Geld verdienen” eigentlich auch darum gehen, den lokalen Unternehmer umfassend an die Hand zu nehmen und diesen mit sinnvollen, nachhaltigen und transparenten Methoden sowie Taktiken zum unternehmerischen Erfolg zu führen.

Zwar sind lokale Betriebe und Dienstleister oft recht orientierungslos, was die fachlichen Aspekte bei der Umsetzung von Online-Marketing Maßnahmen anbelangt – Sie sind aber keinesfalls so ahnungslos, dass sie nicht merken, dass seitens Google zusehends ein inadäquater Druck ausgeübt wird, um mehr und mehr Unternehmen in einen Bieterstreit um den Platz an der Sonne bei Google AdWords zu verwickeln…


4 Antworten zu “Zwingt Google Maps lokale KMU zur Schaltung von AdWords?”

  1. Frank sagt:

    Es gibt durchaus viele, die grundsätzlich Adwordsanzeigen gedanklich ausblenden und nur organische Suchergebnisse beachten. Je mehr Google die Besucher durch Adwords zumüllt, desto eher neigen sie zu anderen Suchmaschinen.

    Und gerade KMU können gut rechnen, weil sie eher öfter kleinere Budgets haben als Großkonzerne (klingt fast logisch). Sobald sie merken dass es in eine Preisspirale enden würde, nehmen sie Abstand davon, so meine Erfahrung.

    Dass Google Geld verdienen will, ist nicht das Problem, nur muss Google auch beachten, dass man eine Kuh nicht melken und zugleich schlachten kann. Vielleicht wollen sie sich an den optimalen Punkt herantasten?

    Es gibt manche Berufsgruppen, die dürfen meines Wissens nicht mit Werbung auffallen, solche wie z.B. Rechtsanwälte. Was machen die nun, wenn direkt unter ihrer Maps-Anzeige Werbung für andere Unternehmen geschaltet wurde?
    Sind die dann fein raus, weil Google das macht oder haften sie dafür, weil sie selbst die Google Maps Anzeige eingetragen haben?

    • Hallo Frank,

      Danke für dein klasse Feedback!

      Die Problemlage ist vielschichtig und der von Dir am Ende angesprochene Punkt mit den Berufsruppen ist in jedem Fall auch ein schwieriger Aspekt. Wenn eine Kanzlei bspw. nicht werben darf, dann müssen die Anwälte wohl leider damit leben, dass direkt unter ihrem Firmeneintrag eine Anzeige zu sehen ist, die z.B. zu Anwalt.de führt, wo sich der Nutzer möglicherweise für einen konkurrierenden Anwalt entscheidet.

      Schön ist das nicht… eine gute Figur gibt Google in diesem Kontext jedenfalls nicht ab.

      Gruß,
      Sebastian

  2. Dominic sagt:

    Google betreibt Google-Maps, Google-Places und welche Services sonst auch immer nicht zum Spaß.

    Jedes dieser Produkte den Zweck entweder direkt oder indirekt Geld zu erwirtschaften, so wie das bei jedem anderem Unternehmen auch der Fall ist.

    Das was Google da macht würde jeder andere Unternehmer auch so machen.

    Problematisch wirds wenn man sich die Marktmacht anschaut, im Bereich der Suche ist Google in Großteilen der Welt ein Monopolist.

    D.h. wer in Google nicht gefunden wird existiert im Web auch nicht. Und Google entscheidet wer gefunden wird und wer nicht, meist algorithmisch, manchmal wenn es um direkte Konkurrenz geht aber auch parteiisch. Beispiel Ciao welche sich mit dem letzten Panda Update einfach mal so verabschiedet haben.

    Gefragt wären hier eigentlich Kartellämter und ähnliches um Google ähnlich wie es in der Vergangenheit mit Windows bereits geschehen ist in die Schranken zu verweisen.

    Das Problem hierbei ist aus meiner Sicht, dass dieser verkalkte Beamtenapperat einfach überfordert ist. Die Leute sind zu alt, ihnen fehlt Fachwissen und damit das nötige Verständnis dafür was sich da eignetlich alles gerade abspielt. Dementsprechend wird sich da erstmal nichts tun.

    Google Search, Places, Maps, Android, Google Plus… Die Kombination ist EVIL!!!!

    Man sollte versuchen die Macht Googles zu beschneiden solange dies noch irgendwie möglich ist…

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