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Bewertungsportale: Preisnachlässe für gute Bewertungen sind illegal

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Wie acquisa berichtet hat das OLG Hamm in einem Fall entschieden, in dem ein Online-Shop damit geworben hatte, „für positive Bewertungen in Kundenportalen, nachträgliche Rabatte zwischen zehn und 25 Prozent zu gewähren.“

Dabei wurde der Ablauf derart geregelt, dass die Kunden ihre Meinung auf einem Bewertungsportal veröffentlichen und eine Kopie des Texts an den eine Mail-Adresse des Online-Shops zu schicken hatten. Anschließend sah der Shopbetreiber vor, die versprochenen Rabatte auf das Konto des Kunden zu überweisen.

Bewertungen Google Shopping

Bezahlte Online-Bewertungen = Wettbewerbswidrige Empfehlung

Als Anlass für die Entscheidung des OLG Hamm, bezeichnete dieses den Umstand, dass bei den so veröffentlichten Online-Bewertungen der Hinweis des Bewertenden fehlte, dass hierfür ein Rabatt des Online-Shops eingeräumt wurde. Damit ist dieses Vorgehen in den Augen der Richter rechtswidrig, dass es sich um eine wettbewerbswidrige Empfehlung handele, selbst wenn es sich dabei um geringe Beträge handele.

Fazit:
Es macht in jedem Fall Sinn, seine Kunden dahingehend zu aktivieren, Online Bewertungen abzugeben. Nur sollten diese freiwillig sein und nicht an geldwerte Leistungen gekoppelt werden. Ohnehin würden sich echte, zufriedene Kunden möglicherweise durch ein derartiges Vorgehen irritiert fühlen, denn ein guter Service wird in der Regel auch ohne derartige „Belohnungen“ durch den Kunden weiterempfohlen. Kommen nun aber derartige Geldvorteile ins Spiel, entgehen Online-Shops und lokalen Unternehmen möglicherweise gerade die echten, besonders lesenswerten Online-Bewertungen echter, zufriedener Kunden.

Online Kundenbewertung auf Google Shopping

Abgesehen vom Vorwurf der Illegalität, ist es daher sinnvoller sich ein spannendes Konzept zu überlegen, wie man sich bei seinen Kunden für abgegebene Bewertungen bedanken kann, ohne das dies sofort den Anschein von „Bestechung“ hat.


8 Antworten zu “Bewertungsportale: Preisnachlässe für gute Bewertungen sind illegal”

  1. Vik sagt:

    Sind damit generell Preisnachlässe für Bewertungen illegal (welche Bewertung entscheidet der Kunde natürlich selbst) oder nur für damit „gekaufte“ >>gute<< Bewertungen ?

    • Wie es den Anschein hat, geht es vornehmlich um „positive“ Bewertungen, denn der Online-Shop ließ sich ja die Texte vor der Rückerstattung des Rabatts zuschicken. Schlechte Bewertungen erfüllen alleine schon inhaltlich nicht den Aspekt „Empfehlung“, daher sind diese wohl auch dann nicht rechtswidrig, selbst wenn diese „wettbewerbswidrig“ eingekauft wurden (aber wer tut sich das schon an…. für schlechte Bewertungen zu zahlen?). Ich bin jedoch kein Rechtsexperte… im Zweifelsfall daher immer einen Anwalt konsultieren 😉

  2. adalo sagt:

    Gibt es eigentlich auch schon ein Urteil für das liken bei Facebook im Verbund mit einem Gutschein? Ist im Grunde ja ähnlich.

    • @adalo: Mir ist nun explizit nichts bekannt, habe aber auch nicht recherchiert. Ob ein „Like“ bereits eine Empfehlung aus Sicht der Richter darstellt, kann ich nicht beurteilen. In der Summe – bspw. bei eingekauften „1000er Like-Paketen“ – dürfte dies ebenfalls zu beanstanden sein, kann ich mir vorstellen.

  3. Chris sagt:

    Die Überschrift ist ein wenig verwirrend: Die Preisnachlässe sind m.E. nicht automatisch illegal. Was die Richter beanstandet haben war der Punkt, dass neben den Bewertungen nicht klar erkennbar war, dass diese u.U. durch Rabatte zustande gekommen sind.
    Klar: Bei vielen Bewertungsportalen ist dieser Hinweis nicht möglich (=> somit rechtswidrig) und weiter ist dieser Hinweis vermutlich der Conversionkiller schlechthin: Wer kauft in einem Laden, bei dem ersichtlich ist, dass gute Bewertungen „eingekauft“ wurden.

    Ich weiß nicht, ob Gerichte zwischen guten und schlechten Bewertungen einen Unterschied machen. Man sagt ja auch „bad news are good news“. Ich würde es aber nicht drauf ankommen lassen.

    Schlechte Bewertungen ließen sich aber sicherlich prima für die Konkurrenz einkaufen. Das ist m.E. schwerer nachzuvollziehen (wenn man sich nicht ganz dumm anstellt) und der Schaden könnte immens sein. Allerdings dürften dann hier auch noch mehr Gesetze Anwendung finden als in dem vorliegenden Fall 😉

    • Hi Chris,

      Danke für Deinen Hinweis. Ich denke Du hast Recht: Nicht der Preisnachlass sondern der fehlende Hinweis darauf ist das Problem. Aber was die Sache mit den eingekauften, negativen Bewertungen gegen Konkurrenten anbelangt, so dürfte dies sicherlich den Tatbestand des unlauteren Wettbewerbs erfüllen, denke ich mal…

      Gruß,
      Sebastian

  4. Tim sagt:

    Hi,

    in vielen Gesichtspunkten stimme ich zu, jedoch nicht in allem aus eigener Erfahrung. Man sollte sehr darauf achten was richtig ist. Ich kann Sebastian nur zustimmen.

    grüße
    Tim

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