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Online VS. Print – Medienrezeption in Zeiten von Social Media

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Studie “Bulletins from the future” zeigt den Paradigmenwechsel bei der Rezeption von Informationen und Nachrichten auf

The EconomistIm Economist ist kürzlich der sehr interessante Beitrag “The future of News – Back to the coffee house” erschienen, der sich mit dem Wandel des Medienkonsums und Informationsaustausch angesichts von Social Media befasst.

Die Kernaussage des Artikels läuft darauf hinaus, dass wir uns nach einer langen Phase des unidirektionalen “Gatekeeper” Journalismus, geprägt durch die klassischen Printmedien, wieder “zurück” zu der liberalen “Coffehouse” Kultur des 18./19. Jahrhunderts bewegen.

Angesicht der asynchronen Informationsdistribution über Netzwerke wie Facebook, Twitter, Google Plus & Co. sowie vor dem Hintergrund, dass schlichtweg jeder Nutzer einen Ausgangspunkt weltbewegender News darstellen kann, erscheint diese These m.E. mehr als berechtigt – zumal etliche Netzwerke ja auch noch durch eine vertikale Agglomeration von Nutzern (auch bekannt als “Freunde”, “Fans”, “Follower & “Circles”) in bestimmten Nischen geprägt sind, die quasi als kollektive “Gatekeeper” für “ihren” Themenbereich fungieren…

… also ziemlich gut vergleichbar mit den unterschiedlich ausgerichteten Interessengruppen in den Coffee Shops.

Die Studie “Bulletins from the Future” ist dabei in sechs unterschiedliche Kapitel unterteilt, die von den “Coffee Shops” über “Julian Assange” bis hin zur “Foxifizierung der News” reichen.

Zur Einstimmung in die hier kurz vorgestellte Studie gebe ich im heutigen Beitrag daher eine interessante Infografik zum Thema “Print VS. Online” wieder, die den status quo bezüglich der Reichweite von Printerzeugnissen angesichts des vermehrten Aufkommens relevanter Social Media Plattformen in den letzten Jahren festhält.

Ergänzend sei mir in diesem Zusammenhang noch ein Hinweis auf eine interessante dreiteilige Artikelreihe von Viktor Dite mit dem Titel “Generation Web2.0″ gestattet, die sich angesichts der Verbreitung “computervermittelter Kommunikation” mit der Gegenüberstellung des “Privaten” mit der “Öffentlichkeit” befasst. Genau an dieser Schnittstelle setzt m.E. nämlich der aktuelle Paradigmenwechsel im Rahmen der Mediendistribution und -rezeption an, wo ein jeder zum “Gatekeeper” der individuellen Weltsicht avancieren kann.

Infografik: Print VS. Online – Klassische News-Distribution VS. Social Media

Print VS Online - Medienrezeption & -distribution in Zeiten von Social Media

Am spekulärsten erscheint mir bei dieser Grafik die Gegenüberstellung von “Social Media Durchdringung” VS. “Auflagenhöhe” wo eine recht deutlich erkennbare Korrelation zwischen einer verstärkten Nutzungsrate von Social Media Plattformen mit einer sinkenden Auflagenhöhe im Printbereich auftritt. Die Nutzer informieren sich über ihre Netzwerke und informieren diese wiederum über Informationen aus anderen Netzwerken, wobei am Ende dann oftmals doch wieder die meisten bei SPON, ZEITOnline & Co. landen.

In den US, wo sich einige Blogs – deutlich mehr als hierzulande – zu gemeinhin respektierten, meinungsbildenden Medien herausgebildet haben, ist dies mittlerweile erkennbar anders und für diesen Teil des Webs trifft die These von der “Morgenröte des Coffeshops” auch noch eher zu, als hinsichtlich der Medienlandschaft in Deutschland, wo die einmalige Chance verpasst wurde, das Medium Blog als ernstzunehmende und monetarisierbare Alternative zum “klassischen Qualitätsjournalismus” zu entwickeln.

Die hier skizzierte Entwicklung, hinsichtlich eines offensichtlich stattfindenden Paradigmenwechsels im Rahmen der Informationsrezeption & -distribution in Zeiten von Social Media, wird dennoch auch in unseren Breiten wohl kaum aufzuhalten sein…

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3 Antworten zu “Online VS. Print – Medienrezeption in Zeiten von Social Media”

  1. Viktor Dite sagt:

    Ich hatte da mal eine These in einem Seminar vor ca. zwei Jahren.

    Es ging darum, dass sich etablierte Medien nicht zurückbilden. Bücher sind ja immer noch ein beliebtes Medium, trotz aller dagegen sprechenden Indizien in der nahen Vergangenheit. Das liegt einfach daran, dass es dieses Medium in allen möglichsten Variationen gibt. Und daran, dass es etwas Bleibendes hat. Alles was in einem buch niedergeschrieben wird, hat (eine) Geschichte “geschrieben” und ist nicht so kurzlebig, wie unsere anderen Medien.

    Meine These war, dass es beim übrigen Print passieren wird, wenn sie den neuen Medien “nur” hinterherjagen.

    Denn für andere Printmedien als das Buch gilt das “Bleibende” nicht, bzw. wesentlich weniger. Sie versuchen auch nur aktuelle Themen an den Mann zu bringen. Allerdings ist allein schon wegen der Tatsache, dass die Artikel gedruckt werden müssen, die Aktualisierung so langsam, dass digitale “Coffe Shops” die Verbreitung bereits vor Veröffentlichung übernehmen. Weil Print versucht, genau so schnell zu sein, leidet die Qualität der Recherche. Print wird damit nur noch zum Wiederkäuer.

    Die einzige Möglichkeit zu überleben bleibt für Print die Qualität, die wegen der rasanten Verbreitung im Web bspw. stark leidet. Print Artikel müssen nicht alles, was in der Nacht oder am gestrigen Abend passiert ist bringen. Dafür aber um die Ereignisse qualitative Informationen drum rum packen. Für alles Andere haben die Printmacher ja auch ihre eigenen online Kanäle.

    • Hi Viktor,

      Vielen Dank für Deinen bereichernden Kommentar!

      Deine Ausführungen sind recht stichhaltig, das es ja genau der Vorteil der “neuen Medien” ist, zeitlich noch näher an jedem Ereignis dran zu sein, als es die “klassischen Medien” je waren.

      Doch um diese inhaltliche und zeitliche Distanzlosigkeit zu überwinden, bieten ja genau die “klassischen Medien” das Potenzial reflektiert und nachhaltig zu informieren.

      Und wie Du ja auch schreibst, liegt hier m.E. die Zukunft des sog. “Qualitätsjournalismus” der so langsam mal bemerken sollte, das es nicht um den täglichen Traffic sondern nachhaltig um eine treue Leserschaft gehen sollte, die auch bereit ist für tiefer gehende Artikel und Hintergrundinformationen einen gewissen Obulus zu entrichten.

      Gruß,
      Sebastian

  2. Online VS. Print – Medienkonsum in Zeiten von Social Media…

    In dem Beitrag dreht sich alles um das gewandelte Nutzerverhalten bei Mediendistribution und – rezeption in Zeiten von Social Media (inkl. Infografik)….

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