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33 Tipps für Selbständige – Mythen, Fehler & Geschäftsideen

Geschrieben am von

11 Fragen an Peer Wandiger

Webdesigner, Programmierer und Blogger Peer Wandiger ist inzwischen eine feste Größe im deutschsprachigen Internet. Sein Blog Selbständig-im-Netz.de ist eine immense Fundgrube mit über 1.500 hilfreichen Beiträgen rund um Existenzgründung, Suchmaschinenoptimierung, Social Media und vieles mehr (Link).

Häufigste Fragen vor der Selbständigkeit?

Zum einen sicher die Frage, was man in einer bestimmten Branche verdienen kann. Das ist sehr unterschiedlich und nicht so pauschal zu beantworten. Nicht umsonst sind in der selben Branche einige viel erfolgreicher als andere.

„Brauche ich einen Gewerbeschein?“ ist eine weitere Frage. Sobald man eine Tätigkeit mit einer Gewinnerzielungsabsicht ausübt, braucht man auch einen Gewerbeschein. Das kann auch nebenberuflich sein und ob oder wie viel man damit zu Beginn verdient spielt keine Rolle.

Die Frage „Kann man mit einer Website oder einem Blog genug Geld zum Leben verdienen?“ höre ich auch häufiger. Und natürlich ist das grundsätzlich möglich. Aber so etwas benötigt dieselben Voraussetzungen wie eine klassische Firma. Eine gute Geschäftsidee, einen soliden Plan, viel Durchhaltevermögen, Vermarktung, Engagement und auch ein wenig Glück.

Häufigste Fehleinschätzungen bzw. hartnäckigste Mythen über die Selbständigkeit?

„Ich brauch keine Werbung, mein Produkt/Dienstleistung ist so gut.“ Zum einen stellen es sich viele zu einfach vor, Kunden zu finden. Da wird ohne Vorbereitung in die Selbständigkeit gegangen und erwartet, dass die Kunden dann Schlange stehen, nur weil man etwas Gutes anzubieten hat. Ohne Networking und Werbung läuft da nichts.

„Als Selbständiger kannst du dir deine Zeit einteilen und frei machen wann du willst.“ Es heißt nicht umsonst „Selbst und Ständig“. In der Regel arbeitet man deutlich mehr als Angestellte und das bedeutet, dass man nicht nur nicht frei machen kann, sondern zumindest in der Anfangszeit auch Abends und am Wochenende arbeitet.

„Die Preiskalkulation“ – Viele Selbständige kalkulieren bei ihren Stundenpreisen viel zu niedrig. Da wird gern vergessen, was alles so noch an Kosten anfällt. Es gibt im Web Tools die dabei helfen, alle eigenen Kosten und den eigenen Gewinn zu kalkulieren und damit langfristig sinnvolle Preise zu kalkulieren.

Häufigste bzw. schwerwiegendste Fehler zum Beginn der Selbständigkeit?

Ohne Kunden in die Selbständigkeit gehen ist ein Fehler. Man sollte schon während der Schule, der Studiums, neben dem Job oder während der Arbeitslosigkeit Kontakt knüpfen und potentielle Kunden finden.

Ohne Referenzen zu starten ist ebenfalls problematisch. Welche Kunde will schon der erste sein. Referenzen geben potentiellen Kunden Vertrauen und das ist wichtig.

Wer auf Beratung verzichtet ist selber Schuld. IHK, regionale Gründernetzwerke usw. bieten kostenlose Beratung an und das sollte man nutzen.

Beste Tipps für hilfreiche Beratungsmöglichkeiten?

Wie schon gesagt, die IHK bietet z.B. Beratungsangebote an. Ebenso kann man bei Ämtern, Verbänden und Vereinen Hilfe und Beratung suchen. Es reicht eben nicht in seinem eigentlichen Fachgebiet gut zu sein. Die meisten Selbständigen scheitern nicht daran, sondern an den sonstigen Pflichtigen und Aufgaben der Selbständigkeit. So z.B. dem Marketing, der Buchhaltung, Kundenpflege, Kalkulation, langfristige Planung etc.

Man sollte sich auch mal mit erfahrenen Selbständige unterhalten. Diese haben meist gute Tipps und schon viel erlebt.

Es gibt auch viele Bücher und auch kostenlose Informationen vom Wirtschaftministerium. Das sollte man ebenfalls nutzen.

Linktipp: Links für Selbständige und Existenzgründer

Beste Tipps für Geschäftsideen und einen Geschäftsplan?

Nicht das machen was schon viele andere machen. Viele Selbständige denken, dass dies eine gute Idee ist, aber in der Regel ist der Markt schon übersättigt und man bekommt kaum ein Fuss in die Tür.

Die Geschäftsidee ist am besten, wenn sie ein wichtiges Bedürfnis bestimmter Zielgruppen befriedigt. Dann muss man diesen Leuten auch nichts „verkaufen“, sondern sie „nur“ noch darüber informieren.

Man sollte sich zum einen auf bestimmte Leistungen konzentrieren und sich nicht einen Bauchladen mit diversen Dienstleistungen zulegt. So wird man eher zum Experten und kann auch bessere Preise verlangen. Zudem wird man effektiver, wenn man sich auf bestimmte Tätigkeiten konzentriert.

Beste Tipps für rechtliche Belange?

Man sollte Verträge mit Kunden aufsetzen und vom Kunden unterschreiben lassen, statt allein auf eine mündliche Vereinbarung zu setzen. Wenn es irgendwann zu Differenzen kommt, dann ist man froh, wenn man was schriftliches in der Hand hat.

Ich habe meine Verträge im Vorfeld erstellt und dann von einem Anwalt prüfen lassen. Damit hatte ich dann eine verlässliche Basis.

Zudem gibt es gute Fachbücher über Rechtsthemen bestimmter Branchen. Auch das kann nicht schaden, denn oft sitzt der Teufel im Detail und ohne solche Infos ist man sich über bestimmte rechtliche Fallstricke gar nicht im Klaren.

Beste Tipps rund um Förderung und Finanzierung?

Förderungen bedeuten zwar Papierkram und Lauferei, aber sie können sehr dabei helfen die ersten schweren Jahre zu überstehen. Deshalb sollte man sich über Fördermöglichkeiten informieren und die betreffenden Stellen kontaktieren.

Man sollte sich genau überlegen, was man zur Existenzgründung wirklich braucht. Ist der Mercedes wirklich notwendig? Braucht man die neue Büroeinrichtung unbedingt? Alles was man nicht finanziert, muss man später auch wieder abzahlen inkl. Zinsen.

Allerdings sollte man in die wichtigen Dinge investieren. Wer mit einem alten Computer arbeiten will, der wird damit nicht glücklich und verbringt mehr Zeit mit dem Warten auf die Technik als mit dem eigentlichen Arbeiten. In für den Erfolg wichtige Dinge sollte man investieren.

Beste Tipps rund um Steuern und Versicherungen?

Das sind wichtige Themen. Um Steuern kommt man nicht herum und entweder sollte man sich selber gut auskennen und sich informieren oder man gibt es an einen externen Experten. Das letztere habe ich getan. So brauche ich mich mit dem Steuerkram nicht herumärgern und kann in dieser Zeit lieber Geld verdienen. Da lohnen sich dann auch die Kosten für diesen externen Dienstleister.

Viele Selbständige vergessen auch, dass das Geld, was auf ihrem Konto ankommt, noch lange nicht ihnen gehört. Ein großer Teil davon geht wieder weg. Da ist die Umsatzsteuer, die zu Beginn noch monatlich eingezogen wird. Später ist es dann z.B. vierteljährlich und man muss aufpassen, dass man immer genug Geld dafür auf dem Konto hat. Noch problematischer ist z.B. die Einkommenssteuer, die einmal jährlich fällig wird (zzgl. Vorauszahlungen). Auch dieses Geld sollte man nicht anrühren. Wer an das alles nicht denkt und das Geld vom Kunden mit vollen Händen wieder ausgibt, erlebt später sein blaues Wunder.

Eine wichtige Entscheidung betrifft die Krankenversicherung. Privat oder gesetzlich. Beides hat Vor- und Nachteile und man sollte nicht davon ausgehen, dass man immer jung und gesund ist.

Beste Tipps für eine erfolgreiche Online-Präsenz?

Da ist es mit 3 Tipps wohl nicht getan. Man sollte darauf achten, dass man professionell rüber kommt. Lieber weniger Seiten, die aber professionell aussehend und aktuell gepflegt sind.

Selbst regionale Unternehmen und Firmen profitieren von einer Website. Man sollte aber nicht nur am Anfang Elan zeigen, sondern regelmäßig nützliche Informationen und hilfreiche Angebote für bestimmte Zielgruppen und Ihre Probleme und Wünsche anbieten. Im Grunde geht es auf einer Firmenwebsite nicht um die Firma, sondern um den Kunden.

Auch online ist es mit einer Website nicht getan. Suchmaschinenoptimierung, regelmäßig guter Content, Nutzung des Social Web und regionaler Angebote wie Google Places ist sehr wichtig für den Erfolg.

Beste Tipps für ein erfolgreiches Social Media Marketing?

Werbung funktioniert nicht im Social Web. Hier muss man Kommunizieren, Helfen, Informieren, Antworten, Faszinieren. Es ist eher wie das direkte Gespräch mit anderen Menschen in der Kneipe um die Ecke. Wer hier mit Werbesprache kommt, wird nicht wahrgenommen oder erntet sogar negative Reaktionen.

Man sollte sich zunächst auf einen Kanal konzentrieren (z.B. Xing oder Facebook) und dort regelmäßig aktiv werden. Es hilft sehr, wenn man auch Spaß und Interesse daran hat und es nicht als lästige Pflicht sieht.

Am besten ist es, wenn man erstmal privat viele Erfahrungen sammelt und lernt, „wie der Hase läuft“. Wenn man dann begriffen hat, wie das Social Web „tickt“, dann hat man mit einem geschäftlichen Ansatz viel mehr Erfolg, als wenn man ohne Vorerfahrungen mit einer Marketing-Einstellung an das Thema rangeht.

Ausblick: Wie wird das Web den Lebensstil & die Arbeitsweise Selbständiger künftig beeinflussen?

Sicher wird die Bedeutung des Webs noch zunehmen. Bestimmte Altersgruppen schauen heute vor fast jeder halbwegs größeren Investition ins Web und suchen Anbieter. Wer dort nicht (ordentlich) vertreten ist wird von vielen gar nicht mehr wahrgenommen. Wir buchen z.B. keine Pension oder ähnliches mehr, wenn es davon keine Website gibt, die uns überzeugt.

Auch regional wird sich eine Menge tun. Google geht ganz klar den Weg Richtung regionaler Ausrichtung und für viele Selbständige ist Google schon heute ein sehr wichtiger Kundenbringer. Das wird in Zukunft sicher nicht weniger. Auch Social Networks werden regionaler werden und z.B. auch durch GEO-Dienste für Selbständige und regionale Firmen wichtiger.

Und an eines müssen sich Selbständige sicher auch gewöhnen. Durch das Social Web wird das Feedback zufriedener, aber auch unzufriedener Kunden viel größer. Und hat man bisher vielleicht nicht so viel direkten Kontakt zum Kunden gehabt, wird man sich in Zukunft sicher darauf einstellen müssen, dass die direkte Kommunikation zunehmen und immer wichtiger wird.

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Wirklich klasse lieber Peer, dass Du Dir so viel Mühe mit dem Interview gemacht hast. Man merkt in jedem Fall sehr deutlich, dass Du sehr viele praktische Erfahrungen auf diesem Gebiet gesammelt hast.

Markus und ich möchten uns in jedem Fall für Deine Bereitschaft, Deine wertvollen Tipps mit unseren Lesern zu teilen, ganz herzlich bedanken!

Das war nun das siebte Interview der gemeinsam mit Markus Bauer (S1-Suchmaschinenoptimierung.de) ins Leben gerufenen Interviewreihe, bei der wir verschiedenen Experten auf unterschiedlichen Themengebieten 11 Fragen gestellt haben.

Die anderen veröffentlichten Interviews aus der Serie findet man hier:

Viel Spaß beim Lesen!


7 Antworten zu “33 Tipps für Selbständige – Mythen, Fehler & Geschäftsideen”

  1. „Es heißt nicht umsonst „Selbst und Ständig“ …“ ;o))

    Das bringt es wohl auf den Punkt – Klasse Interview!

  2. 33 Tipps für Selbständige – 11 Fragen an Peer Wandiger…

    HEUTE in unserer Interviewreihe: Peer Wandiger, der sich 11 Fragen rund um die Selbständigkeite gestellt hat. Herausgekommen sind 33 praktische Hilfestellungen & Tipps, die für Selbständige, oder solche die es werden wollen, in jedem Fall eine sinnvoll…

  3. Startups – Umweltschutz, Prospekte, Punkte sammeln…

    Innovative Ideen kommen fast täglich auf den Markt, aber nur wenige setzen sich durch oder erlangen einen hohen Bekanntheitsgrad. Ich habe mich mal auf die Suche nach neuen Internet-Startups gemacht, die gerade auf einem erfolgreichen Weg sind ode…

  4. enterprise sagt:

    Super Interview!

    Dennoch nicht zu vergessen, dass viele „klassische“ Gründungen noch immer den Weg der „kalten“ Kundenakquise gehen müssen.
    Nicht immer ist Social Media ein Allheilmittel.

  5. Alex sagt:

    Ich glaube, speziell zu beginn, sobald man sich ein Ziel gesetzt hat, sollte man das Risiko eingehen, blind weiter zu machen, auch wenn Alles gegen einen wirkt. Irgendein positives Resultat, auch wenn nicht das erwueschte bzw erwartete wird dabei herauskommen, hoffentlich wichtig genug, um davon Kosten decken zu koennen….

  6. Ja wär seine Ziele und Ideen erfolgreich umsetzen möchte braucht Werbung, Wissen und vor allem die richtige Einstellung!

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