KennstDuEinen Blog

Google Hotpot – Suppe ist angerichtet!

Geschrieben am von

Aktuelle Meinungen zu Google Hotpot und dessen Implikationen

Google Hotpot LogoAnknüpfend an meinen Bericht zu dem neuen Bewertungstool Google Hotpot, möchte ich heute, nach ausgiebiger Lektüre etlicher Beiträge über Googles neuesten Streich, in dem vorliegenden Artikel drei interessante Beiträge vorstellen, die von einer tendenziell ablehnenden Haltung bis zu einer recht positiven Stellungnahme reichen. In den Artikeln werden dabei einige interessante Fragestellungen aufgeworfen sowie Prognosen getätigt, die ich hier gerne wiedergeben möchte.

Die Auswahl der verlinkten Beiträge erfolgt nach vollkommen subjektiven Kriterien, ist rein qualitativ bedingt und wird durch meine eingestreuten Meinungen punktuell ergänzt.

Ist das ein Hotpot?

Google Hotpot: Social Layers Or Reinforced Box?

(Lisa Barone, outspoken media)

Der Hauptkritikpunkt von Lisa Barone ist das akute Gefühl von Google zusehends “eingesperrt” zu werden – ein Aspekt, den ich meinem Bericht ebenfalls schon anzudeuten versucht habe, indem ich die mangelnde Integration anderer Bewertungsportale in Google Hotpot kritisierte. Nachdem vor einer Weile der Deal zwischen Google und der Bewertungsplattform Yelp geplatzt ist, scheint das Unternehmen aus Mountainview das Tool Google Hotpot vor allem deshalb herauszugeben, um an möglichst zahlreiche, relevante Nutzermeinungen für die Place Pages zu gelangen, um schließlich selbst zum “King of Reviews” zu avancieren.

Die Autorin des Beitrags hebt dabei mit Verweisen auf die erfolglosen Applikationen Google Buzz und Google Wave hervor, dass die Nutzer derartige Vorstöße von Google weder erwarten noch akzeptieren. In ihren Augen ist deswegen der Ansatz von Google, ein bereits mehrfach existierendes Produkt einfach noch mal auf den Markt zu bringen, zum Scheitern verurteilt.

Was die Perspektive lokaler Dienstleister und Geschäftsinhaber anbelangt, die mit Bezug auf eine effektive lokale Suchmaschinenoptimierung auf möglichst viele Bewertungen angewiesen sind, so scheinen diese jedoch nicht um Google Hotpot herumzukommen. Zwar ist es derzeit noch so, dass die bloßen Benotungen (im Gegensatz zu den ausführlichen Nutzermeinungen) KEINEN EINFLUSS auf das Google Maps Ranking im Rahmen der neuen Google Place Search nehmen – mit Bezug auf die immer größere Relevanz sozialer Suchfunktionen (social search) und personalisierter Suchergebnisse (personalized search) werden die von Hotpot stammenden Signale jedoch in jedem Fall auf die Sichtbarkeit lokaler Anbieter zusehends Einfluss nehmen.

Oder ist das vielleicht ein Hotpot?

Google Hotpot: Local Recommendations From Your Friends

(Vanessa Fox, Searchengineland)
Einen etwas weniger kritischen Blick auf Google Hotpot wirft die ehemalige Google Mitarbeiterin Vanessa Fox, in Ihrem Beitrag bei Searchengineland. Nachdem Sie den Nutzer Schritt für Schritt durch die Anwendung von Google Hotpot mit hilfreichen Abbildungen begleitet, gibt sie zumindest schon mal ihre Irritation hinsichtlich des Account-Systems zu. Selbst als erfahrene Nutzerin kann sich sich die strikte Trennung des Hotpot Accounts sowohl vom globalen Google Account mitsamt angegeliedertem Freundesnetzwerk, als auch von den übrigen Google Produkt-Accounts nicht erklären. Ein Erklärungsansatz könnte Google Bestreben sein, hier den Standard zum Schutz der Privatsphäre möglichst hoch zu halten um möglichst nicht in das Kreuzfeuer der Kritik (siehe Google Street View u.v.m.) zu geraten.

Ein zusätzliches Signal für ortsbezogene Empfehlungen bietet übrigens die Web History, mit deren Hilfe die zuletzt durchgeführten Suchen auf Google Maps und Google Places protokolliert und für den Nutzer angezeigt werden – ein Aspekt, den Vanessa Fox in einem Nebensatz als “bold reminder” bezeichnet.

In meinen Augen stellt jedoch gerade der Umstand, dass diese Informationen nur von dem Accountbesitzer eingesehen werden können, ein deutliches Signal in Richtung “Personalisiertes Sucherlebnis” dar, was uns SEOs hellhörig machen sollte: Es geht bei Google zusehends darum auf den Nutzer zurechtgeschnittene Ergebnisse auszuliefern, die sich möglichst wenig manipulieren lassen. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass der Nutzer sich einloggt und auf diese Weise einer umfassenden protokollierung sämtlicher Webaktivitäten zustimmt. Ein Schuft wer hier an eine systematische Annäherung Googles an verhältnismäßig geschlossene soziale Netzwerke wie Facebook denkt…

Das muss der Hotpot sein!

Google Hotpot: Two Primary Implications

(Matt McGee, SmallBusinessSem)
Parallel zu seiner Tätigkeit als Redakteur bei Searchengineland befasst sich Matt McGee auf seinem privaten Blog vorrangig mit dem Thema “Online-Marketing für lokale Anbieter”. Um Redundanzen zu vermeiden geht der Autor in dem Beitrag daher auch nicht auf die Funktionalität von Google Hotpot ein, sondern befasst sich vorrangig mit den Implikationen die Google Hotpot mit sich bringen könnte. Er unterscheidet dabei zwischen der Einflussnahme auf die Sphäre der Konsumenten und den Auswirkungen, die das neuen lokale Bewertungsinstrument auf den lokalen Suchmarkt als ganzes haben könnte.

Was die Auswirkungen auf den Nutzer anbelangt, so ist sich der Autor sicher, dass sich durch die regelmäßige Nutzung von Google Hotpot der Stellenwert von Nutzermeinungen im Rahmen der lokalen Branchensuche noch weiter erhöht. Ausgehend von der Tatsache, dass aussagekräftige Bewertungen bereits jetzt schon ein kaum mehr von der Hand zu weisendes Marketingintrument für lokale Anbieter darstellen, steht für Matt McGee fest, dass es vor allem auf ein umfassendes Sucherlebnis ankommt, dass durch Bewertungen entschieden befeuert werden kann, “indem man Suchende dazu ermutigt, Kunden zu werden.”

Meine Meinung zu diesem Punkt ist, dass genau dieser Aspekt – jedoch betrachtet aus der Perspektive lokaler Anbieter – über den monetären Erfolg von Google auf dem lokalen Suchmarkt entscheiden wird: Entweder Google beweist branchenübergreifend mit Hilfe aussagekräftiger Reportings, dass über die Google Place Pages, im Zusammenspiel mit Werbeinstrumenten wie Google Tags, Google Boost & Co. auch tatsächlich qualifizierte Kontakte generiert werden, oder der tolle Plan den lokalen Suchmarkt zu beherrschen wird eben nicht aufgehen.

Als zweiten Aspekt, und damit letztlich als den eigentlichen “Game Changer”, hebt Matt McGee jedoch die Implikationen von Google Hotpot für den lokalen Branchensuchmarkt hervor. Ausgehend von der Beobachtung, dass gerade die lokale Suchmaschinenoptimierung auch für erfahrene SEOs z.T. unerklärliche Phänomene mit sich bringt, kommt er zu dem Schluss, dass Google bislang einfach nur zu wenige Ranking-Signale zur Verfügung standen, um qualitativ fundierte Suchergebnisse auszuliefern.

There aren’t a lot of dry cleaners in Walla Walla that have a lot of signals like hCard-formatted address, ratings, reviews, geo-tagged photos, etc. (…)

Für den Autor steht fest, dass Google Hotpot genau diese Lücke im lokalen Such-Ökosystem schließen könnte. Neben der Vergabe einer Note hat man nämlich die Möglichkeit eine Bewertung zu schreiben und kann darüber hinaus auch noch ergänzende Informationen in Form von Stimmungslagen hinterlegen.

Hotpot Bewertung

Derartige emotionale Indikatoren sind gerade aus Nutzersicht verhältnismäßig wertvoll und reichern das auf einer Google Place Page enthaltene Informationsspektrum deutlich an. In den US ist im Gastronomie- und Hotelgewerbe bereits seit längerem ein vergleichbares System auf den Place Pages im Einsatz:

Sentiment Analysis

Hinterlegen nun immer mehr Nutzer derartige Informationen mit Hilfe von Google Hotpot, so stehen Google mit einem Mal genau die fehlenden Signale zur Verfügung, um hierüber relevante Ranking-Algorithmen zu entwickeln. Mit Recht merkt Matt McGee daher an, dass Google daher künftig zusehends weniger auf Drittanbieter angewiesen sein wird, um qualitativ hochwertige lokale Suchresultate zu generieren.

Fazit:
Die Meinungen zu Google Hotpot sind derzeit noch recht vielfältig und am Ende wird der Erfolg beim Nutzer darüber entscheiden, ob das neue Bewertungstool dazu beitragen wird, dass sich Google zu einem globalen Behemot der Nutzermeinungen entwickeln wird. Die Usability von Google Hotpot ist jedoch tatsächlich sehr intuitiv und macht Spaß, so daß selbst die Bewertung von etlichen Orten zeitlich kaum ins Gewicht fällt. Aktuell steht Hotpot jedoch noch nicht in einer deutschen Version zur Verfügung, weshalb man über die Resonanz von Google Hotpot bei der hiesigen Nutzerschaft noch keine Aussage treffen kann.

Sollte es jedoch soweit kommen, dass die die Mehrheit der Nutzer Hotpot aktiv nutzen, wird für lokale Dienstleister und Geschäftsinhaber selbstverständlich kein Weg um dieses Tool herum führen… bis dahin ist es allerdings noch ein langer Weg!

Bildquellen:
hansi / pixelio.de; by-sassi / pixelio.de; dido-ob / pixelio.de


2 Antworten zu “Google Hotpot – Suppe ist angerichtet!”

  1. Carsten sagt:

    Ich sehe den neuen Dienst von Google eher kritisch. Genau wie Lisa.

    Meiner Meinung nach ist es ein vorrangiges Ziel von Google, möglichst viele Informationen über jeden einzelnen zu gewinnen und diese Informationen miteinander zu verknüpfen, wobei mit diesen Informationen früher oder später Geld verdient werden soll.

    • Es ist nun schon seit längerem so, dass Google mit den gesammelten Nutzerinformationen eine Menge Geld verdient. Durch Google Places erhält diese Datensammelwut jedoch eine vollkommen neue Qualität.

      Durch die Verknüpfung von Meinungen und Informationen über reale Orte, Geschäfte und Betriebe mit einzelnen Nutzerprofilen und die Auswertung der damit zusammenhängenden Vorlieben des Nutzers (ggf. auch noch vor dem Hintergrund seines Surf- und Einkaufverhaltens) wird deutlich, das Google klar erkannt hat, dass die “Eierlegende Wollmilchsau” im lokalen Umfeld zu finden ist. Angesichts der Tatsache, dass 70% des Einkommens in einer 5-Meilen Zone rund um den Wohnort ausgegeben wird, ist das Verhalten von Google nur folgerichtig, um weiterhin für Unternehmenswachstum zu sorgen…

Einen Kommentar schreiben